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„Don’t call me angel“ : Schwarze Federn für Charlie

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Kampfansage an Charlie? Lana Del Rey, Ariana Grande und Miley Cyrus im Video zu „Don’t Call Me Angel“ Bild: Sony

Ariana Grande, Miley Cyrus und Lana Del Rey treten in ihrem neuen Song zum Film „Charlie’s Angels“ als selbstbewusste, bissige Engel auf. Von der geballten Frauenpower hätte man sich etwas mehr erhofft.

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          „Guten Morgen, Charlie!“, mit diesen drei Worten begrüßen die berühmten drei Engel jedes Mal ihren unbekannten Auftraggeber, wenn er wieder einen richtig harten Job für sie hat. Was schon als Fernsehserie in den siebziger Jahren funktionierte, wurde im Jahr 2000 als Film namens „3 Engel für Charlie“ mit Cameron Diaz, Drew Barrymore und Lucy Liu ein Welterfolg. Doch nicht nur deshalb sind die Erwartungen an das Reboot groß, das Ende November in die deutschen Kinos kommt. Die Regisseurin und Produzentin Elizabeth Banks möchte nämlich mit dem Film politisch werden und sich für den Feminismus stark machen. Diese Botschaft soll wohl auch das an diesem Freitag veröffentlichte Musikvideo zum Film von den Popgrößen Ariana Grande, Miley Cyrus und Lana Del Rey vermitteln.

          Den Titel des Songs, „Don’t Call Me Angel“, könnte man zunächst als Kampfansage an Charlie verstehen. Die drei Sängerinnen erscheinen in einer düsteren Villa, in der auch gut ein Exorzismus durchgeführt werden könnte, als gefallene Engel mit schwarzem Gefieder und warnen alle Männer: Nennt uns bloß nicht Engel! Wir mögen zwar unschuldig aussehen, aber sobald die Sonne untergeht, beißen wir. Während Ariana im weißen Engelskostüm den Refrain singt und damit den Song weitestgehend dominiert, tritt Miley als knallharte Boxerin auf, die im Ring einen Mann verprügelt, wie ein Gangster-Rapper mit ihren Goldketten spielt und Respekt einfordert – schließlich macht sie hier die Kohle und zahlt die Schecks. Im Kontrast dazu steht Lana Del Reys Strophe, in der sie sich im roten Seidenkimono nachdenklich vor einem Feuer räkelt und immer wieder singt: „Baby, du kriegst mich nicht mehr aus dem Kopf“. Den Abschluss bildet ein opulentes, ja sündiges Festmahl, bei dem die klassische Geste des Traube-mit-dem-Mund-Abpflückens nicht fehlen darf. Dann erscheint Banks als weibliche Version des Charlie und pfeift ihre Engel zurück.

          Insgesamt erwarten den Zuschauer in diesem Video wohl kaum Überraschungen: Miley leckt lasziv über Ari, Ari sieht mit ihrem berühmten Zopf aus wie ein sexy Schulmädchen, Lana haucht verführerisch im nostalgischen Kostüm.

          Banks' feministische Bemühungen passen gut in die heutige Zeit, wo selbst der Pop nicht mehr unpolitisch ist. Der erste Film der Reihe handelt zwar auch schon von drei starken Frauen, die knallhart Bösewichte verprügeln und sich nicht von Männern einschüchtern lassen. Letztlich bleiben sie aber doch die süßen Gehilfinnen eines gewissen Charlie, den sie nie zu Gesicht bekommen, aber trotzdem wie kleine Mädchen verehren. Banks hat also Recht, wenn sie in dem Stoff feministisches Potential sieht, das noch deutlich ausgebaut werden kann. Dass mit Banks nun unter anderem auch Frauen die mächtige Rolle des Charlie einnehmen, ist ein Schritt in diese Richtung.

          Allerdings hätte man sich von der geballten Frauenpower des Musikvideos (alle drei Sängerinnen haben am Song mitgearbeitet, und mit Hannah Lux Davis führt auch hier eine Frau Regie) etwas mehr erhofft. Die bunte Melange aus Hexen-Symbolik, Sündenfall und Victoria’s-Secret-Show ist überladen und hat neben ein paar Empowerment-Phrasen nicht viel Feministisches zu bieten. Selbst der Mann, der von Miley verprügelt wird, sitzt gefesselt und somit harmlos auf einem Stuhl und kriegt am Ende noch einen Lap Dance. Bleibt zu hoffen, dass der Film hier mehr zu bieten hat.

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