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Aphex Twin : Der Reiz des gekonnt Dämlichen

  • -Aktualisiert am

So in etwa darf man sich den scheuen Briten Richard D. James vorstellen Bild: Rough Trade

Richard D. James alias Aphex Twin ist nach langer Auszeit wieder zurück. Auf „Syro“ gibt sich der scheue Brite nicht mehr so kryptisch und revolutionär - sein Elektrosound ist vor allem ein großer Spaß.

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          Es klinkt und klonkt, es britzelt und sprotzt wie in alten Zeiten, als Richard D. James alias The Aphex Twin mit superknusprigen Elektro-Titeln und verstörenden Videos die Welt eroberte. Seine Musik klang zwar krank, aber ebenso superneu und krachend, dass man das gern in Kauf nahm. Leute wie Madonna oder Björk witterten die Innovationen, die Aphex Twin im Gepäck trug, und standen Schlange, um mit ihm zusammenzuarbeiten. Ein aufdringliches Foto war auf dem Cover seines Albums „I Care Because You Do“ zu sehen, das, weil es das einzig verfügbare von ihm war, das Image des Eigenbrötlers nachhaltig prägte. Es folgte das „Richard D. James Album“, das sein Pseudonym lüftete, und der Erfolg setzte ein. Nach vielen erschreckend erfolgreichen und künstlerisch wagemutigen Platten legte er 2003 noch eine Werkschau seiner Remix-Arbeiten mit dem sarkastischen Titel „26 Tracks For Cash“ vor. Und das war’s.

          Doch jetzt, als ob nichts gewesen wäre, erscheint „Syro“ mit zwölf Stücken und 64 Minuten Musik. Allein die Verpackung führt alle Standards und Konventionen auf diesem Feld ad absurdum: Der Silberscheibe liegt ein leeres Booklet bei, auf dem grotesk aufgeblähten Cover werden in einer ellenlangen Liste alle Kosten aufgeführt, die angeblich entstanden sind. „Speisen und Getränke“ für ein Treffen mit der Plattenfirma werden (mit winzigen Beträgen allerdings) ebenso in Rechnung gestellt wie „promotional CDs for Japan“ oder „promotion team travel to Berlin“. Die Songtitel tragen Namen wie „CIRCLONT6A“ oder „s950tx15wasr10“.

          Aphex Twin rechnet ab: Cover des neuen Album „Syro“

          „Meine Musik ist für mich sehr persönlich“, sagte James neulich. „Ich möchte nicht, dass Leute wissen, was ich mir dabei gedacht oder was ich dabei gefühlt habe. Meistens interessiere ich mich nicht mehr für meine Stücke, wenn ich sie erst mal fertiggestellt habe.“ Die einschlägige Presse hyperventilierte und hob den einstigen Mega-Star aufs Cover, hatte aber gleichzeitig große Mühe, einem nachwachsenden Publikum die Bedeutung des zurückgezogen lebenden Engländers nahezubringen. Richard D. James hat im vergangenen Jahrzehnt einfach sein Leben gelebt, sich scheiden lassen, Musik gemacht, eine neue Freundin gefunden und irgendwann das Gefühl gehabt, genug Musik zusammenbekommen zu haben, um einfach mal wieder ein Album auf den Markt, den er nach wie vor verabscheut, zu werfen.

          Aphex Twins Musik wurde von Musikkritikern schon immer mit den höchsten Weihen versehen, man sah ihn in einer Reihe mit Pionieren wie John Cage, Karlheinz Stockhausen, Kraftwerk, Brian Eno oder House-DJ und Techno-Erfinder Derrick May. Über den Genrebegriff „Intelligent Dance Music“ hat James sich des Öfteren lustig gemacht, und in der Tat dürfte es Berghain- oder sonstigen Disco-Besuchern ziemlich egal sein, ob die Musik, zu der sie tanzen, von Menschen gemacht wurde, die mehr oder weniger intelligent sind.

          Die Frage lautet ja: Taugt „Syro“ etwas? Eindeutig ja. Natürlich klingt das alles nicht mehr so umstürzlerisch und verstörend wie damals, als Platten wie „Selected Ambient Works“ oder „Drukqs“ einen zu dem Schluss kommen ließen, dass die Zukunft eindeutig in der elektronischen Musik liegt. Aber es ist immer noch ein großer Spaß, zu hören, wie James dämliche Geräusche in packende Rhythmen verwandelt, flächige Synthesizerschwaden ganz anders, nämlich wesentlich rationaler und kühler einsetzt als große Esoteriker und Mystagogen wie Klaus Schulze und Konsorten und die nicht totzukriegenden Rituale der Musikindustrie lächerlich macht, indem er seiner Plattenfirma eine teure Verpackung abringt, die dem Konsumenten eigentlich keinerlei Mehrwert bringt - außer ihm ein Grinsen aufs Gesicht zu zaubern.

          Ganz zum Schluss hört man The Aphex Twin allein und etwas verloren für fünf Minuten am Klavier - völlig unbearbeitet, etwas unbeholfen, einfach eine schöne Melodie. Willkommen zurück!

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