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Rapper in der „Echo“-Kritik : Wie antisemitisch sind Kollegah und Farid Bang?

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Der Beirat des Musikpreises „Echo“ prüft die Texte der nominierten Rapper Kollegah und Farid Bang auf antisemitische Äußerungen. Bild: dpa

Das Album „Jung Brutal Gutaussehend 3“ der Rapper Farid Bang und Kollegah ist für zwei Echos nominiert. Jetzt prüft der Ethik-Beirat des Preises die Texte auf antisemitische Passagen.

          In einer Woche werden in Berlin die Echos verliehen. Vor der Gala stehen nun zwei Nominierte in der Kritik. Den Düsseldorfer Rappern Farid Bang und Kollegah, die für ihr Album „Jung, brutal, gut aussehend 3“ unter anderem in der Kategorie „Album des Jahres“ nominiert sind, könnte ihr Platz auf der Liste wieder entzogen werden. Grund dafür ist unter anderen eine Songzeile in dem Lied „0815“, in der es heißt: „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen.“

          Der Beirat des Musikpreises kündigte nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung über antisemitische und gewaltverherrlichende Passagen des Albums an, die umstrittenen Textzeilen zu prüfen. Man werde untersuchen, ob die Grenze „zwischen künstlerischer Freiheit und gesellschaftlich nicht hinnehmbaren Äußerungen überschritten wurde“, teilte der Bundesverband Musikindustrie (BVMI), der die Preisverleihung organisiert, mit.

          Typisches Stilmittel

          Die Geschäftsführerin des BMVI wies darauf hin, dass verbale Provokationen ein typisches Stilmittel im Battle-Rap seien, jenem Genre, in das der Song „0815“ fällt. Bis Ende der Woche solle die Prüfung abgeschlossen sein, über mögliche Konsequenzen für die Nominierung der beiden Rapper wolle man nicht spekulieren.

          Farid Bang erklärte nach dem Bekanntwerden der Kritik auf seiner Facebook-Seite, dass Kollegah und er mit dem Lied niemanden diskriminieren wollten. Es handle sich lediglich „um einen harten Battle-Rap-Vergleich und nicht um eine politische Äußerung“. Beide Rapper würden sich „von jeglicher Form des Antisemitismus oder Hass gegen Minderheiten distanzieren.“ Kollegah gab bekannt, dass „als Zeichen des Zusammenhalts in unserer rassismusfreien Hiphopkultur“ jüdische Fans ab sofort freien Eintritt zu jedem gemeinsamen Konzert von ihm und Farid Bang bekämen. Auf Youtube veröffentlichte er außerdem mehrere Videos, in denen er den deutschen „Mainstream-Medien“ Meinungsmache vorwarf und verkündete, das Volk habe es satt, „sich verarschen zu lassen“. Was die „Bild“-Zeitung mit ihrem Artikel bezweckt habe, sei versuchte Zensur und vergleichbar mit der Situation in „totalitären Staaten“. Der Rapper rief andere Künstler und Fans dazu auf, sich dagegen zu wehren.

          Immer wieder Probleme mit Antisemitismus

          Vor der Echo-Verleihung gibt es nicht zum ersten Mal Probleme mit rassistischen Äußerungen. 2013 standen die Organisatoren des Musikpreises in der Kritik, als die umstrittene Band „Frei.Wild“ für einen Echo nominiert war. Mehrere Künstler, darunter die Chemnitzer Band „Kraftklub“, die Berliner Elektropop-Gruppe „MIA.“ und andere Bands hatten daraufhin angekündigt, die Verleihung zu boykottieren. Der Veranstalter zog die Nominierung schließlich zurück.

          Xavier Naidoo, dem Sänger der Band „Söhne Mannheims“ und vielfachen Echo-Gewinner, wurde 2015 vorgeworfen, in seinem Song „Raus aus dem Reichstag“ die jüdische Bankiersfamilie Rothschild beleidigt zu haben. In dem Lied heißt es: „Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel. Der Schmock ist’n Fuchs und ihr seid nur Trottel“. Naidoo hatte die Vorwürfe damals abgestritten, drei Jahre später wurde er abermals wegen eines Songtexts kritisiert, der bei rechten Gruppierungen Anklang fand.

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