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Anita Pallenberg zum Siebzigsten : Sie war die Muse der Rolling Stones

Schönheit ist eine Ausdrucksform von Intelligenz: Nicht unwahrscheinlich, dass es einst Anita Pallenberg war, die Andy Warhol zu dieser legendären Erkenntnis verhalf. Heute Abend feiert sie ihren siebzigsten Geburtstag.

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          Dass es auch früher schon Frauen gab, die vor allem berühmt dafür waren, berühmt zu sein: Das muss man all denen immer wieder sagen, die in der Geistesgeschichte nur die Abwärtsbewegungen sehen. Aber dass diese Frauen früher mehr Klasse hatten, dafür steht, zum Beispiel, das Schicksal und die Karriere der Anita Pallenberg.

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          In Rom als Tochter einer Deutschen und eines Italieners geboren, blond, groß und wie die Zeitzeugen sagen, sehr, sehr selbstbewusst, war Anita Pallenberg in den beschwingten Sechzigern in ganz Europa als Model begehrt, traf in München den Rolling-Stones-Gitarristen Brian Jones und ließ sich eine Weile mit ihm ein - und dass sie es aber die ganzen Siebziger hindurch mit Keith Richards ausgehalten hat, dieses Leben voller Drogen, Exzesse und Affären, das womöglich ohne sie an einer Überdosis oder sonst einem Unglück bald gescheitert wäre: Das ist ja auch schon ein Lebenswerk.

          Wer Anita Pallenberg aber nur für die Frau an Keith Richards’ Seite hält, der hat nicht nur nicht zur Kenntnis genommen, dass diese Frau in dem legendären Stück „Paradise Now“ des Living Theatres mitspielte und in so manchem gar nicht so üblen Film; dass sie Andy Warhol und die ganze New Yorker Pop-Art inspirierte; und womöglich war sie es ja, die Warhol zu seiner legendären Erkenntnis brachte, dass auch Schönheit eine Ausdrucksform der Intelligenz sei.

          Keith Richards mit Anita Pallenberg im Mai 1967 in Cannes Bilderstrecke

          Aber die Rolling Stones waren eben nicht nur ein paar Jungs, die in einer Rock-’n’-Roll-Band spielten - und alles andere, der Stil und der Look, der ganze Entwurf fürs Leben, das war eben auch ein Werk jener Frauen, unter denen Anita Pallenberg die beständigste und womöglich auch die weltläufigste war.

          Mick Jagger, in dem immer auch ein großer Frauenunterschätzer steckte, gab zu, dass die Rolling Stones das ganze legendäre Album „Beggars Banquet“ neu abmischten, als Anita Pallenberg ihnen sagte, dass sie nicht zufrieden sei. Und als beide, Pallenberg und Jagger, in Nicholas Roegs irrem Psychedelic-Thriller „Performance“ spielten, war sie mindestens ebenbürtig. So ums Jahr 1980 herum war es dann doch vorbei mit dem Traumpaar Keith und Anita, und in den vergangenen Jahren war sie vor allem Schauspielerin, in Filmen von Hamrony Korine, Abel Ferrara, Stephen Frears. Am Samstag, 25. Januar, wird sie siebzig Jahre alt.

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