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AC/DC-Gitarrist wird sechzig : Wie Angus Young einmal doch ein Interview gegeben hat

  • -Aktualisiert am

So lässt man Gitarren sprechen: Angus Young in Aktion, 1979 in Hamburg Bild: www.fotex.de

Er ist einer der berühmtesten Rockgitarristen aller Zeiten. Und er gibt eigentlich keine Interviews. Warum nur ist er diesmal von seinem Prinzip abgewichen? Angus Young von AC/DC zum Sechzigsten.

          5 Min.

          In seinem kürzlich erschienenen Buch „Die Brüder Young - Alles über die Gründer von AC/DC“ klagt Jesse Fink über die Schwierigkeiten, mit den Herren ins Gespräch zu kommen: Alle Anfragen lehnten die schottischen Dickschädel ab, die das wohl durchschlagskräftigste Gitarristen-Duo der Rockgeschichte bilden.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

          Dass man sich an ihnen die Zähne ausbeißt, ist bekannt. Wann das Schweigekartell errichtet wurde, ist schwer zu sagen. Es muss jedenfalls mehr als fünfzehn Jahre her sein. Denn im Jahre 2000 habe ich einen dieser raren Brüder zu fassen gekriegt und sogar gesprochen - wenn „sprechen“ der richtige Ausdruck dafür ist.

          Das Gespräch kam auf eine Weise zustande, die heute phantastisch anmutet: Es wurde mir von einem Kollegen, mit dem ich den Tourneeauftakt in Ostdeutschland besuchen wollte, aufgedrängt: „Frag unbedingt die Pressetante, ob wir die vorher interviewen können, das müssen wir unbedingt machen!“ Also rief ich die Pressedame von AC/DCs Plattenfirma an. Ich bekam sofort eine Zusage: „Ja, Angus Young steht vor dem Auftritt bereit.“ Mir war das nicht recht; zum einen, weil mir Malcolm lieber gewesen wäre als Angus, zum anderen bin ich der Meinung, dass es über Rockmusik sowieso nicht viel zu sagen gibt, schon gar nicht über die, die AC/DC machten.

          Das war tatsächlich Angus Young

          Warum musste Angus Young auch zusagen?! Hatten sie es plötzlich nötig, sich mit Journalisten abzugeben? Tatsächlich befand sich die Band damals in einer relativen (relativen!) Flautezeit. Das Album „Stiff Upper Lip“ zündete nicht so richtig, eine Tournee sollte es herausreißen, da konnte ein kleiner Zeitungsbericht nicht schaden.

          Komischerweise schien es bei dem Interview keinen Haken zu geben, keine Frageliste, die man einreichen musste, keine Tabus, an die man auf keinen Fall rühren dürfe. Leider wurde mein Kollege im letzten Moment krank, so dass ich allein hinfahren musste. Das Problem war nur: Ich wusste gar nicht, was ich fragen sollte.

          „Vielleicht werde ich ja auch noch krank“, dachte ich. Vergebens. Kerngesund fand ich mich an einem Samstagnachmittag in dem Hotel ein, in dem die Musiker Station machten, und wartete. Schon nach kurzer Zeit kam ein winzig kleines Männlein zur Tür herein, die schütteren Haare in Unordnung; offenbar kam es gerade aus dem Bett. Zerstreut gab es mir, das zerknautschte Gesicht halb abgewandt, die Hand und murmelte mit unglaublich tiefer Stimme etwas, das ich für eine Begrüßung hielt. Mein Gott, das war tatsächlich Angus Young. Ich war schweißnass.

          Er trinkt ja nicht

          Zuerst erzählte ich ihm davon, wie wir - ich und meine Freunde (der Esel nennt sich selbst immer zuerst) - den Huckepack-Rock in der Schule nachmachten, den er, Angus Young, erst mit Bon Scott, dann mit dem Nachfolge-Sänger Brian Johnson, so großartig auf der Bühne praktizierte. Dabei sei mir, da ich, wie er, Angus Young, unschwer sehe, selbst etwas kurz geraten sei, naturgemäß der Part des Reiters, also quasi seine, Angus Youngs, Rolle zugefallen. Auf diesen plumpen Vereinnahmungsversuch fiel der Gitarrist natürlich nicht herein. Er schwieg. Und ich wusste: Diese eine Stunde, die man mir sagenhafterweise genehmigt hatte, wird lang. Angus Young vertrieb sie sich mit fast einer ganzen Schachtel Zigaretten und wohl einem Liter Kaffee. Alkohol, das wusste ich noch aus der „Bravo“, rührte er nicht an.

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