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Konzert für Donald Trump : Böse Menschen haben keine Lieder

Die Tanztruppe The Rockettes durfte nicht mehrheitlich entscheiden – ihr Management sagte Trump zu. Bild: Picture-Alliance

Bei Obamas Amtsantritt sangen Stevie Wonder und Bruce Springsteen. Trump hingegen sagten alle Stars ab. Es wird weit weniger illuster – und einige Gruppen zerstritten sich sogar über den Auftritt.

          Diese Party für Donald Trump zu organisieren, dürfte keine vergnügliche Aufgabe gewesen sein. So viele Körbe muss man erst mal im Wahlkampfbüro unterbringen: Elton John? Nein. Céline Dion? Nein. The Rolling Stones? Auf keinen Fall! Moby? „Hahahahaha, wait, Hahahaha, really?“ Nachdem alle Pop-Größen ihm abgesagt haben, fragte Trump die zweite Reihe. Zum Beispiel die Britin Rebecca Ferguson, die freundlich antwortete, sie werde nur auftreten, wenn sie „Strange Fruit“ singen dürfe, Billie Holidays Lied über Lynchmorde an Schwarzen. Das wurde völlig korrekt als elegante Absage aufgenommen.

          Also wurde die dritte Reihe auf die Bühne gebeten, und hier fanden sich nun erste Freiwillige. Die Band 3 Doors Down („Here Without You“) etwa, die auch schon einen Werbesong für die Nationalgarde geschrieben hat, sich aber erklärtermaßen nicht als politische Band sieht. Außerdem einige Musiker, die außerhalb von God’s own country eher Country-Fans ein Begriff sein dürften: Toby Keith, Lee Greenwood, Larry Stewart.

          Den größten Namen im Line-up trägt wohl Sam Moore, besser bekannt als eine Hälfte des Soul-Duos Sam & Dave. Fast alle anderen muss man zumindest hierzulande erklären. Zum Beispiel DJ Ravi Drums, der live Schlagzeug spielt zu elektronischer Untermalung – falls sich noch jemand an das Safri Duo erinnert: etwa so, nur mit viel mehr Trommeln und Becken.

          Außerdem treten The Piano Guys auf, Youtube-Stars dank verblüffend kitschiger Instrumentalversionen von Charthits.

          Die Nationalhymne wird übrigens von der sechzehn Jahre alten Jackie Evancho dargebracht, einer ehemaligen Teilnehmerin der Castingshow „America’s Got Talent“, die ebenfalls zwischen klassischer Musik und Pop steht. Bei ihr zumindest deutet einiges darauf hin, dass sie wahrhaft unpolitisch ist: Sie sang bereits zwei Mal für Barack Obama, und nun eben für Trump, Bühne ist Bühne. „Ich denke, ich mache das für mein Land“, sagte sie.

          Jackie Evancho sang auch schon für Obama.

          Jan Chamberlin sieht das ganz anders. „Ich könnte mich nie mehr im Spiegel ansehen“, sagte das Mitglied des Mormon Tabernacle Choirs über den Auftritt für Trump. Nach fünf Jahren im Chor entschloss sie sich deshalb, auszutreten. In ihrer Begründung verglich sie Trump öffentlich mit Hitler. „Es würde aussehen, als unterstütze der Chor Tyrannei und Faschismus, wenn wir für diesen Mann singen.“ Der Chor singt nun trotzdem – aber ohne Jan Chamberlin.

          Auch bei den Radio City Rockettes, einer Tanztruppe aus New York, hat die Zusage einige Mitglieder entsetzt. Drei der Tänzerinnen haben die Teilnahme abgelehnt. „Ich würde mich unwohl fühlen, in einem unserer Kostüme neben einem solchen Mann zu stehen“, schrieb eine von ihnen. Die Rockettes treten meist in kurzen Röckchen auf und sind für ihre Chorus-Line-Choreographien mit synchron in die Höhe geworfenen Beinen bekannt. Die meisten von ihnen müssen nicht teilnehmen, sie sind so etwas wie freie Mitarbeiterinnen. Dreizehn der Tänzerinnen hingegen sind fest dabei – ihnen ließ das Management keine Wahl.

          Eine Band sagte ihre Teilnahme sogar kurzfristig ab: Die B Street Band, die Lieder von Bruce Springsteen covert, der selbst bereits abgewunken hatte. Zuerst wollte die B Street Band durchaus auftreten, doch dann erklärte sie ihren Rücktritt, „aus Respekt und Dankbarkeit gegenüber Bruce Springsteen“. Vielleicht hätte Trump noch eine Coverband der Coverband oder wenigstens eine Coverband der Coverband der Coverband auftreiben können – aber dafür war dann wohl keine Zeit mehr.

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