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Album der Woche : Ein wohlklingender Zusammmenbruch

  • -Aktualisiert am

Hörprobe: „Bloodline“ Bild: Percy Dean

Das Debütalbum der britischen Band The Slow Show klingt ziemlich apokalyptisch. Und doch geht von dem Sprechgesang über orchestralen Arrangements ein großer Reiz aus.

          In der englischsprachigen Popmusik scheint es eine besondere Faszination für die Stadt Dresden zu geben – da fallen einem etwa die Dresden Dolls ein oder auch Elvis Perkins mit seinem Song „Heard Your Voice in Dresden“, der dort wohl eine Art Erweckungserlebnis hatte, das er auf dem schönen Album „In Dearland“ besingt. Andererseits wird der Name Dresdens seit dem Feuersturm der Bombenangriffe von 1945 im Englischen aber auch als Synonym für die Katastrophe schlechthin verwendet – und mit dieser Art der Verwendung hat man es wohl bei dem Song „Dresden“ der britischen Band The Slow Show zu tun. „This is, this is, this is a breakdown“, singt Robert Goodwin darauf mit Grabesstimme.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Das Eröffnungsstück setzt den Ton für ihr ganzes Debütalbum „White Water“: Es klingt oft geradezu postapokalyptisch – die Liebe liegt mal wieder in Ruinen –, aber trotzdem geht von davon ein großer Reiz aus. Die teilweise bombastischen, auch von Streichern und Bläsern getragenen Arrangements kontrastieren mit dem schlichten, zurückhalten Gitarrenpicking, und noch vor alldem, immer deutlich im Vordergrund, steht Goodwins brüchiger, aber durch die Technik überlebensgroß gemachter Parlando-Gesang.

          Dieses Klangbild hat freilich ein Vorbild: Man kennt das längst von der Band Lambchop und ihrem Sänger Kurt Wagner, die diesen Sound geradezu zu ihrem Markenzeichen gemacht hat, und um den Vergleich kommen The Slow Show kaum herum. Manchmal glaubt man gar, Wagner singen zu hören, etwa bei dem Lied „Testing“ – doch es ist Goodwin mit seiner jungen Band aus Manchester.

          Doch anstatt über Epigonalität zu klagen, könnte man vielleicht einfach auch anerkennen, dass Lambchop (ihrerseits bestimmt inspiriert von Leonard Cohen) einen gültigen Sound geschaffen haben, den nun eben auch andere aufgreifen – und sich daran freuen. Gerade auch in großen Hallräumen klingen The Slow Show sehr eindrücklich: Vielleicht bekommen sie solche ja auf ihrer am 21. Mai beginnenden Deutschlandtour, die natürlich auch in Dresden haltmacht.

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