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Album der Woche: „Bush“ : Aus dem Background winkt Snoop Dogg

Hier sind die Frauen Dekoration, auf seinem Album er selbst: Snoop Dogg bei einem Auftritt in London Bild: Picture-Alliance

Es gibt ein neues Album von Snoop Dogg – oder? Leider nein: Produzent und Ko-Sänger Pharrell Williams hätte der Ehrlichkeit halber direkt seinen eigenen Namen draufschreiben sollen.

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          Kaum eine Jobbeschreibung hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren so sehr verändert wie die des Rappers. Früher, da landete Snoop Dogg noch gelegentlich im Knast, probierte sämtliche erreichbaren Drogen durch, mischte nebenbei in der Pornoindustrie mit und schaffte es trotzdem an die Spitze der Charts. Es waren wilde Zeiten, die nicht wenige Todesopfer forderten.

          Julia Bähr
          Audience Managerin bei FAZ.NET.

          Heute ist Kanye West angesagt, der sich spätestens durch seine Hochzeit mit Kim Kardashian in Sachen Street Credibility völlig disqualifiziert hat und in der Öffentlichkeit aus Prinzip nicht lächelt. Nein, auch nicht, wenn seine Frau und seine kleine Tochter dabei sind. Und wenn ihm jemand einen Witz erzählt und er kurz darauf die Kamera bemerkt, wird der Gesichtszirkus ganz schnell wieder abgebaut.

          Beschreibung

          Snoop Dogg hingegen konnte sich immer schon Humor leisten. Eine lustige Frisur, alberne Texte, ein Künstlername, der aus seinem Kinderkosenamen abgeleitet ist – kein Problem. Im Gegensatz zu Snoop Dogg besitzt Kanye West so viel Coolness wie ein Käsebrötchen. Es ist also durchaus spannend, was Snoop Doog nach seinem kurzen Ausflug ins Reggae-Fach zum aktuellen Hiphop beizutragen hat. Leider muss man seine Raps auf der Platte suchen: Produzent Pharrell Williams hat ihn dazu gebracht, sehr viel zu singen. Allerdings kann Snoop Doggs Gesang nicht mit seinem wunderbaren Flow mithalten.

          Snoop Dogg: „Bush“
          Snoop Dogg: „Bush“ : Bild: Sony Music

          Unterlegt hat Williams das mit seinem üblichen flirrenden Melodiegehoppel, das sich seit „Get Lucky“ noch nicht wesentlich weiterentwickelt hat. Und es passt durchaus nicht schlecht: Elektrofunk trifft den G-Funk, mit dem Snoop Dogg loslegte, als Rapper sich noch als Gangster gerierten. Aber Snoop Dogg gerät völlig in den Hintergrund. Besonders augenfällig wurde das bei einem gemeinsamen Auftritt der beiden in der Show „The Voice“. Sie gaben die Single „California Roll“, und all das Lächeln, das Kanye West sich nicht gestattet, ist offenbar gesammelt bei Pharrell Williams gelandet: Mit geballter Fröhlichkeit à la Florian Silbereisen enterte er die Bühne.

          Auf dem Rest des Albums steht Williams vergleichbar im Vordergrund. Die Mundharmonika bei „California Roll“ spielt übrigens Stevie Wonder, was ziemlich egal ist, weil ihr Sound im Computer fast bis zur Unkenntlichkeit verändert wurde.

          Nebenbei bemerkt: „Bush“ ist durchaus ein gutes Album. Ein richtig gutes sogar. Ein Album, mit dem man im Sommer prima mit geöffneten Fenstern durch die Gegend fahren kann. Aber eben ein Pharrell-Williams-Album, in dem Snoop Dogg auch ein bisschen mitmachen darf. Nur ein paar Lieder, darunter „R U A Freak“ und „Run Away“ mit Gwen Stefani, klingen ernstlich nach Snoop Dogg. Schade. Aber besser als nichts.

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