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Album der Woche : Göttin der Akkorde

  • -Aktualisiert am

Seit vierzig Jahren habe sie sich auf diesen Moment vorbereitet, sagt Chrissie Hynde Bild: dpa

Chrissie Hynde hat sich mit einem deutlich Jüngeren eingelassen: Dan Auerbach, Tonmeister-Darling der Independent-Szene, verpasste dem neuen Pretenders-Album ein hippes Produktionsdesign.

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          Dass eine Rockmusikerin mit einem Rockmusiker zusammenarbeitet, der, vom Alter her, ihr Sohn sein könnte, kommt immer mal wieder vor und muss noch kein Harold & Maude-Syndrom sein. Aretha Franklin sang vor dreißig Jahren mit George Michael, Jack White produzierte eine Loretta-Lynn-Platte, und unter den Madonna-Produzenten der vergangenen fünfzehn Jahre gibt es auch mehrere auffallend jüngere. In der Regel sind das Arbeitsbeziehungen, in denen durchaus so etwas wie stille Verehrung, das Aufschauen zur älteren Frau im Spiel sein kann.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

          Dass Dan Auerbach, der von seiner Rolle als besserer Hälfte des Brachial-Bluesduos The Black Keys nicht ausgelastet ist und sich zu einem veritablen Tonmeister-Darling der wertkonservativen Independent-Szene hochgearbeitet hat, einmal Chrissie Hynde im Studio betreuen würde, mag auch Zufall sein – beide kommen aus Akron, Ohio. Sie werden sich dort aber nicht zufällig beim Bäcker getroffen haben.

          Öfter auch was auf die Zwölf

          „Alone“, die erste Pretenders-Platte seit acht Jahren, ist das achtbare Resultat dieser Mutter-Sohn-Beziehung (sie ist Jahrgang 1951, er 1979), dem man nicht wird nachsagen können, dass es in übergroßem Respekt des Jüngeren vor der Älteren erstarrt wäre. Zwar ist von der Americana-Lockerheit, mit der „Break Up The Concrete“ seinerzeit aufwartete, nicht viel geblieben; aber das war eben auch eine für die Pretenders untypische Platte. In dieser Band ist Hynde die einzige Konstante, gegen den Willen der prinzipienfesten Chefin passiert hier nichts.

          Aber Auerbach wird schon nicht so unvorsichtig gewesen sein, das Studio im Pelzmantel zu betreten und in den Pausen Burger zu essen. Er wusste vermutlich auch, dass es wenig opportun sein würde, Chrissie Hynde mit dem Neuesten vom Neusten zu kommen, und hat ihr ein zwar frisches, schnittiges, aber keineswegs übertrieben hippes Produktionsdesign verpasst, das die prinzipielle Unrast der Pretenders-Musik häufiger zur Ruhe kommen lässt.

          Der Auftakt- und Titelsong „Alone“ vermittelt mit hämmerndem Barpiano das Gefühl, hier könne man ungestört in einem Rocker-Tugendkatalog blättern; das täuscht, das Album ist ausgewogen, gut aufgelockert. Makellose Balladen finden sich immer wieder, von Hynde glasklar intoniert („Let's Get Lost“, „Blue Eyed Sky“ und „The Man You Are“); der an sich vorteilhafte Reggae von „One More Day“ erinnert an die mittleren Achtziger, als sie mit den Idioten von UB 40 fremdging, und einige Loops und Dance-Anleihen passen dann doch nicht recht zu ihr. Aber Gottseidank: Auf die Zwölf gibt es eben auch öfter was. „Chord Lord“ ist so rifflastig, so direkt, als wär’s von einer der beiden allerersten Platten, und der Stampfer „Gotta Wait“ vermittelt die notorische Militanz dieser Sängerin.

          Dan Auerbach hat eine vitale, mehr als zufriedenstellende Platte produziert und uneitlerweise darauf verzichtet, ihr eine allzu persönliche Handschrift zu verpassen. Chrissie Hynde scheint auch zufrieden zu sein: „Von all meinen Alben“, sagte sie, „liebe ich dieses am meisten. Richtige Musiker spielen richtige Musik. Es hat 48 Stunden gedauert, um jeden Ton zu singen und aufzunehmen. Aber 40 Jahre, um sie vorzubereiten.“ Naja, man muss nicht alles glauben, was sie sagt. Die auf der Strecke gebliebenen Pretenders-Mitglieder müssten sich ja sonst im Grabe umdrehen.

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