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Album der Woche : Möge die Straße immer wieder hart sein

  • -Aktualisiert am

Reisesegen für die verflossene Geliebte: Die kalifornische Band Dawes hat in Nashville ein großes Rock-Album aufgenommen, das kein Pathos scheut.

          2 Min.

          Der gern zitierte irische Reisesegen wünscht dem verabschiedeten Wandersmann bekanntlich nur das Beste: Sonne im Gesicht, sanften Regen auf seinen Feldern und eine Straße, die ihm entgegenkommt. Dass es leider auch Abschiede im Leben gibt, die nicht so glatt gehen und bei denen es schwerfällt, dem anderen etwas Gutes zu wünschen, können spirituelle Wohlfühlsprüche natürlich schlecht berücksichtigen - aber zum Glück gibt es ja auch Lyrik mit mehr Raum für Ambivalenzen. Und wenn dann noch Musik dazu kommt, wird es noch unübersichtlicher an der Empfindungskreuzung zwischen Trauer und Trotz, Vorwurf und Vergebung.

          Jan Wiele
          Redakteur im Feuilleton.

          Auf dem neuen Album der kalifornischen Band Dawes spürt man diese Ambivalenz fast die ganze Zeit: Da singt offenbar einer, der allen Schmerz in die Stimme legt, und die Musik dazu wagt einen Bombast, den man seit den Balladen von Meat Loaf und Bon Jovi eigentlich für verboten gehalten hätte. Die Abschiedsgrüße können ihre Bitternis dabei manchmal kaum verbergen: „I hope that life without a chaperone is what you thought it’d be“ heißt es da, was ja auch so viel bedeuten könnte wie „Jetzt sieh mal zu, wie Du alleine klarkommst.“

          Aber in gleich mehreren Liedern wird diese Bitternis schließlich doch überwunden, besonders schön bei dem tieftraurigen „Waiting for Your Call“. Die längst getrennten Lebenswege führt hier keine große Illusion mehr zusammen, aber dennoch: „If you wanna know just how much I can forgive / I'll be waiting for your call.“

          Dawes sind klanglich wie auch optisch an der urkalifornischen Rockmusik des Laurel Canyon um 1970 orientiert, was sie schon auf Vorgängeralben wie „Nothing is Wrong“ (2011) gezeigt haben. Das Gefühl beim Hören dieser neuen Rockballaden kommt einen manchmal aber auch wie aus den achtziger Jahren an. Wenn Taylor Goldsmith sich in den hohen Oktaven leidend verausgabt, stellt man ihn sich etwa als jenen John Waite vor, der im Musikvideo zu „Missing You“ damals vor Wut einen Telefonhörer zerschlug und nun noch immer in der Telefonzelle wartet. Die Distanzierung rührt wohl auch daher, dass man gerade bei Indie-Musikern wie denen von Dawes (deren Bandgeschichte verwoben ist mit Kollegen wie Conor Oberst, Blake Mills oder der tollen Band Middle Brother) derartigen Bombast nicht gewohnt ist.

          Interessant ist allerdings, wie Rockballaden heute im Gegensatz zu den achtziger Jahren arrangiert werden: roh, fast rotzig, vor allem ohne Keyboard-Klänge - und ausgerechnet in Nashville. Das ist auch die Handschrift von David Rawlings, den man sonst eher aus der Szene des neuen Folk und des Alternative Country kennt, und der in den Woodland Studios mit Dawes ein Rock-Album wie aus einem Guss geschaffen hat.

          Sein Titel „All Your Favorite Bands“ ist die Verkürzung einer Textstelle, die noch einmal an den irischen Reisesegen erinnert und ihn in de Welt des devoten Rockfans überführt:  „May all your favorite bands stay together“ - mehr kann man hier wohl niemandem wünschen. Und der alte utopische Segenswunsch „May the road rise up to meet you“ wird hier amerikanisch-pragmatisch an einen fahrbaren Untersatz gebunden, nämlich einen Chevrolet El Camino: „I hope your brother’s El Camino runs forever“. Das ist vermutlich das Schönste, was man in Kalifornien zum versöhnlichen Abschied sagen kann.

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