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Album der Woche : Benzin ist im Angebot

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Wütende Gitarrenschlachten, stampfende Rhythmen und eine archaische Singstimme: Die verschrobene Band Eleventh Dream Day hat ihr neues Album vorgelegt.

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          Ein stoischer, knochentrockener Rhythmus knüppelt unermüdlich voran, es sägen und zerren die Gitarren, und die Sängerin kreischt entnervt: „I’m gonna take it from the inside, I’m gonna take it slow“ - „Vanishing Point“, die erste Nummer auf dem neuen Album von Eleventh Dream Day, nimmt einen sofort gefangen. Unnachgiebig zerrt der Bass von Douglas McCombs, und schnell erweckt die treibende Nummer, die Janet Beveridge Bean angeblich beim Motorradfahren ersann, den Eindruck, als ob sich bei der Band nicht viel geändert habe, seit sie vor knapp dreißig Jahren zusammenfand.

          Doch spätestens beim Titelsong „Works For Tomorrow“ und erst recht bei „Cheap Gasoline“ bemerkt man die wütenden Gitarrenschlachten - früher hätte man so etwas wohl „psychedelisch“ genannt -, die deutlich machen, dass Eleventh Dream Day mit James Elkington erstmals seit langer Zeit wieder einen zweiten Gitarristen an Bord und sich zum Quintett erweitert haben. Damit erreicht die Band aus Chicago eine neue Dynamik: Elkington liefert sich wilde Duelle mit dem Gründungsmitglied Rick Rizzo, die von ihrer Intensität und der hingeklotzten Größe her mindestens an Neil Young erinnern, wenn der mit Crazy Horse auf die Pauke haut. Bei manchen Songs, etwa dem insistierend auf einem sehr schlichten Rhythmus herumstampfenden „Go Tell It“, erinnern Eleventh Dream Day wiederum an Velvet Underground, die schon in den Anfangstagen der Band Pate standen.

          Ganz allein für sich haben Eleventh Dream Day aber nach wie vor die archaische Stimme ihrer Schlagzeugerin Janet Beveridge Bean, die mit krächzender Eleganz - wenn es so etwas gibt - den Liedern Zunder gibt. Nach wie vor wechselt sie sich mit Rizzo am Mikrofon ab, der auf „The People’s History“ so nervös klingt, als ob seine Stimme jederzeit abschmieren würde, das Lied jedoch punktgenau zu Ende bringt. Überhaupt überrascht die unbändige Energie, mit der die Band zu Werke geht. Immer wieder ergeben sich in ihren Songs kleine Lücken und überraschende Wendungen, die mit produktionstechnischen Finessen - etwa dem rhythmischen Händeklatschen auf „Requiem For 4 Chambers“ - oder infernalischem Gitarrenlärm gefüllt werden.

          Das Gespür für eingängige Melodien wie das charmante „The Unknowing“ und den effektvollen Einsatz beschränkter musikalischer Mittel hat die Musiker nicht verlassen, was sich auch daran erkennen lässt, dass unter den zehn Titeln nur eine Fremdkomposition ist. Die ist mit „Snowblind“ von Judy Henske klug gewählt, denn die brillierte in ihrer Anfangszeit als raubauzig polternder Nightclub-Act mit Perücke und verwandelte sich mit diesem Song einst zur Rockerin. Als Vorbild für eine verschrobene Band wie Eleventh Dream Day taugt sie durchaus.

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