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Album der Woche: CeeLo Green : Sing, als würde nur eine zuhören

Tough genug für einen Schmusehund: CeeLo Green mit seinem Yorkshire-Terrier Harrison Zulander Bild: AP

Wer seine Soul-Platten aus den Siebzigern allmählich doch nicht mehr hören kann, bekommt jetzt frische Lieder: CeeLo Green wiegt sich im Walzertakt wie Solomon Burke und singt über Sex wie Marvin Gaye.

          2 Min.

          Wir hätten es so viel besser haben können. Jetzt müssen sich jede Woche Tausende Kinogänger erst mal den greinenden Sam Smith anhören, ehe sie den neuen James Bond sehen dürfen. Mindestens fünf Filmtote braucht ein durchschnittlich temperamentvoller Mensch danach, um wieder in einen normalen Betriebszustand zu gelangen. Dabei hätte es eine Alternative gegeben: CeeLo Green kann Hymnen mit Orchester auch, mit ordentlich Feuer sogar, wie er auf seinem neuen Album „Heart Blanche“ wieder beweist.

          Julia Bähr
          Audience Managerin bei FAZ.NET.

          Es hätte notfalls sogar dasselbe Lied sein dürfen. Schließlich wagt CeeLo Green sich mit seiner abenteuerlichen Kopfstimme, die vielen noch von 2006 aus seinem Hit „Crazy“ mit Gnarls Barkley im Ohr ist, selbst gern in gefühlige Gefilde. Manchmal geht das auf seinem neuen Album schief, etwa beim völlig verkitschten „Sign of the Times“. Manchmal gelingt es: „CeeLo Green Sings the Blues“ – das klingt bei ihm nicht nach Gejammer, so blue es auch werden mag. Stattdessen birst es vor Kraft, vor Überlebenswillen und vor einer gehörigen Portion Trotz.

          Dass es genau diese Mischung ist, die CeeLo Green den Erfolg gebracht hat, daran lässt seine Single „Music to my Soul“ keinen Zweifel. „Where I come from / I've seen things that you wouldn’t believe“, heißt es da, und weiter: „Well look at me now / I’m everything that I wanted to be.“ Das ist nicht weiter originell, ein sehr verbreitetes Topos, gerade unter schwarzen Künstlern. CeeLo Green macht eine Partynummer daraus und lässt im Video Beerdigungsgäste tanzen – denn was soll man auch anderes tun zu diesem Lied. Lediglich der Schluss driftet in etwas leicht R-Kelly-haftes ab. So klingt es eben, wenn den Songwritern zum Ende hin die Ideen ausgehen.

          Dabei hat Green sich sonst souverän bei den Ideen anderer bedient. Das Intro liegt auf einem Loop von Elton Johns „Philadelphia Freedom“, und das schmissige orchestrale Interlude von John Miles „Music“ ziert die Tanzaufforderung „Tonight“. Das Bett von “CeeLo Green Sings the Blues“ hat Solomon Burke bereits 1972 mit „Then I Want to Come Home“ im Walzertakt bereitet. Das passt gut zu CeeLo Greens Sound, der eine große Verneigung vor den alten Meistern ist – aber mehr wagt als das mit Doppel-Platin ausgezeichnete Vorgängeralbum „The Lady Killer“. Gerade „Working Class Heroes“ wirkt im Vergleich zu Greens üblichem Retro-Sound ziemlich modern, wobei modern relativ zu verstehen ist und zugleich heißt: etwa so wie Missy Elliott vor zehn Jahren.

          Thematisch ist das Album ein ziemlich wilder Ritt. „Robin Williams“ etwa besingt all die Guten, die unter tragischen Umständen ums Leben gekommen sind. Dann gibt es selbstverständlich all die Variationen zum Thema Liebe, die ein leidgeprüftes Herz so hergibt. Diese Stücke lassen das Album zum Ende hin etwas abfallen; eigentlich könnte es nach der zwölften Nummer „Smells Like Fire“ aufhören. Die hat es dafür in sich – sie steht in der großen Tradition Marvin Gayes, so deutlich und intensiv über Sex zu singen, als würde nur die eine Frau zuhören, die es gerade betrifft.

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