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Album der Woche : Nehmt unser Geld und spielt!

  • -Aktualisiert am

Das nächste Mal dauert das aber bitte nicht wieder so lange: Die gereiften Herren von De La Soul melden sich nach zwölf Jahren zurück. Bild: Robbie Jeffers

Mit dem Album „And The Anonymus Nobody“ besinnt sich das Hip-Hop-Trio De La Soul auf alte Stärken. Als Gäste sind Snoop Dogg und der Blur-Sänger Damon Albarn mit von der Partie.

          Zwölf Jahre sind eine ganz schön lange Zeit. Sie wären fast in Vergessenheit geraten, die drei junggebliebenen Endvierziger Kelvin Mercer, David Jude Jolicoeur und Vincent Mason von De La Soul, hätten sie nicht mit einem Konzeptalbum vor vier Jahren ein kleines Lebenszeichen von sich gegeben. Aber die Anhänger des kultigen Hip-Hop-Trios scheinen nicht nur geduldig zu sein; auch ihre Bereitschaft, dem Aufruf der Band folgend mal eben über eine halbe Millionen Dollar an Crowdfunding-Geldern bereitzustellen, spricht Bände. Erst recht, weil da noch völlig ungewiss war, in welche Richtung es mit einer Handvoll Jamsession-Improvisationen überhaupt gehen würde.

          Herausgekommen ist allerdings deutlich mehr als ein paar halbgare Studiospielereien ergrauter Hip-Hop-Größen. „And The Anonymous Nobody“, De La Souls achtes Album in knapp dreißig Jahren, klingt mitunter alt und eigentlich auch nicht mehr so recht alternativ, eher erwachsen und gereift. Aber warum auch aufgeben, was sich bewährt hat?  Denn wieder einmal steckt hier hinter dieser Glanzlosigkeit mehr als behäbiger Sprechgesang zu trockenen 60-Schläge-Beats. Mit subtil verpackter Sozialkritik, ergänzt durch eine sympathische Schippe Selbstironie, füllt das Trio ganz offensichtlich eine Lücke der heute in alle Richtungen aufgefächerten Hip-Hop-Kultur. Deren Gangsta-Rap-Vertreter schaffen es oft nicht über die Provokationsmauer hinaus, die Kuschelrap-Vertreter gar nicht erst zu berühren wagen. De La Soul hingegen hat sie schon vor langer Zeit früher mühelos übersprungen.

          Das Erfolgsprinzip ist leicht zu durchschauen

          Dass hier beim Song „Pain“ ausgerechnet der Pausenclown Snoop (Doggy) Dogg mit von der Partie ist, passt ins Bild. Doch wer genau hinhört, erkennt mehr als Klamauk, erst recht bei „Property of Spitkicker.com“, wo Roc Marciano gastiert. Auch sonst von seichtem Improvisationsrap keine Spur: Mit klassisch-solidem Kolorit startet das Album gleich an zweiter Stelle inmitten von Fanfarenklängen mit „Royalty Capes“, an das ruhigere Stücke wie „Here in After“, in dem Hip-Hop-Tourist Damon Albarn mitmischt, oder „Drawn“ (feat. Little Dragon) mit einer guten Portion Soul anknüpfen. Etwas funkiger klingt dagegen der Auftritt von David Byrne in „Snoopies“ oder das Stück „TrainWreck“.

          Und überhaupt, der Vorwurf von zu geringer stilistischer Bandbreite lässt sich angesichts des romantischen, ja fast schnulzigen „Memory Of…“ mit Sängerin Estelle und Pete Rock nicht erheben. Eher verwundert, was sich die Band bei den kraftvollen sieben Minuten von „Lord Intended“ mit Justin Hawkins eigentlich gedacht haben mag, das eher die Bezeichnung Hip-Rock verdient. Kalkulierter Stilbruch oder provokante Gleichgültigkeit?

          Letztlich zeigt aber auch das, wie De La Soul sich selbst treu geblieben sind. Damit haben sie wieder Erfolg. Dabei ist das Prinzip eigentlich leicht zu durchschauen: ohne viel elektronischen Dekor in die Kraft klarer Beats zu vertrauen, unaufgeregten Rap durch Witz und Kritik ansprechend zu gestalten, das Ganze durch ein paar Tupfer Provokation aus seiner Gleichförmigkeit zu holen – fällt das so schwer? Dem Hip-Hop-Trio zumindest auch nach jahrelanger Abstinenz eindeutig nicht. Die Frage ist, ob das auch gilt, wenn sich De La Soul bis zum nächsten Album wieder zwölf Jahre Zeit nimmt. Dann würde es heißen: Jolicoeur zum sechzigsten.

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