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Album der Woche: Nena : So cool, Enn! Eee! Enn! Aaa!

Sei jugendlich und rede darüber: Nena kokettiert auf ihrem Album „Oldschool“ mit ihrer eigenen Jugendlichkeit. Bei dieser Monothematik ist für Selbstironie kein Platz mehr.

          3 Min.

          Man darf um Himmels willen nicht vergessen, dass Nena früher eine Ikone für unverbogene Lässigkeit war. Auch wenn das beim Anhören ihres neuen Albums „Oldschool“ kaum zu glauben ist. Dort klammert sie sich nämlich an die irrige Vorstellung, mit vierundfünfzig Jahren würden sie ja alle peinlich finden, dabei sei sie eben einfach jung geblieben. Nicht nur der Titelsong handelt davon, es ist vielmehr der rote Faden des Albums. Denn erstaunlicherweise hat Nena es geschafft, mit diesem eher flachen Gedanken mehrere Liedtexte zu füllen. Für Selbstironie dagegen war leider kein kleines bisschen Platz mehr.

          Julia Bähr
          Audience Managerin bei FAZ.NET.

          Das ist auf so vielen Ebenen unsinnig – wo anfangen? Vielleicht damit, dass Udo Lindenberg achtundsechzig Jahre alt ist, Farin Urlaub einundfünfzig und Inga Humpe neunundfünfzig. Niemand käme auf die Idee, ihnen zu raten, sich jetzt aufs Altenteil zurückzuziehen und Nordic-Walking-Stöcke anzuschaffen. Das dürfte zum Großteil daran liegen, dass sie nicht dauernd trotzig betonen, wie jugendlich sie noch seien. Denn peinlich ist nicht die Jugendlichkeit, sondern die Koketterie damit und die damit einhergehende Unterstellung, dafür belächelt zu werden.

          Jugendlichkeit als Wert an sich

          Wer so um sich selbst kreist, darf sich nicht wundern, wenn er sich permanent selbst im Weg steht. „Darf ich nie wieder in die Disko gehn?/Bin ich zu gut drauf, hä, ist das ein Problem?/Bin ich alt geworden, bin ich jung geblieben?/Ich mach Musik, das ist der Unterschied/Ich glaub, ich bin nicht normal!“, singt Nena im Lied „Berufsjugendlich“. Ja, nicht normal und ein bisschen verrückt, wie manche Leute sich eben gern bezeichnen, kurz bevor sie in ihre Familienkutsche steigen und zu Ikea fahren.

          Dass Jugendlichkeit ein Wert an sich sein könnte, ist eine weitere seltsame Prämisse. Dabei könnte man die Erfahrung der Jahre unter anderem nutzen, um kluge Songtexte zu schreiben. Zumindest klügere als: „Ich bin so oldschool, ja / Das kannst du mir glauben/Doch das, was ich hier hab/Wird dir dein’ Atem rauben/So oldschool! So, so cool! N.E.N.A.!“ Sie singt wirklich Enn Eee Enn Aaa. Wer sich fragt, woher dieser Hip-Hop-Gestus plötzlich kommt: Rapper Samy Deluxe schrieb und produzierte das Album. Das ist zwar eine Erklärung, rechtfertigt aber gar nichts. Zumal Sprechgesang nicht Nenas Ding ist, wie einige Passagen eindrucksvoll beweisen. Ihre tatsächlich jung gebliebene Gesangsstimme jedoch klingt immer noch so angenehm wie früher: zugleich kühl und blumig.

          Musikalisch versuchten Nena und Samy Deluxe offenbar, mit modernen Mitteln an den frischen Sound ihrer Anfangsjahre anzuknüpfen. Das Ergebnis ist ein rasches, rhythmisches Rumgehoppel, das immer wieder wirkt, als habe jemand möglichst viele verschiedene Synthie-Klänge in ein Lied zimmern wollen. Angeblich haben sich Sängerin und Produzent während der Aufnahmen kaum gesehen, weil sie lieber tagsüber arbeitet und er lieber nachts. Womöglich ist es klanglich deshalb so überladen: Einige Stücke kämen nämlich auch ganz ohne Gesang aus. Und auf jeden Fall ohne die Stimme von Samy Deluxe, der immer mal wieder den Sidekick gibt und ein unterstützendes „Sie ist nicht normal“ dazwischenbrummelt. Als würde das glaubwürdiger, wenn mehrere Menschen es behaupten.

          Hysterisch hibbelnde Untermalung

          Neben einem Mittelfeld aus Gedudel mit flachen Texten finden sich auf „Oldschool“ ein paar lärmige Totalausfälle, während derer Nena Phrasen wie „Bunte Farben! Graue Liebe!“ plärrt, und wenige Balladen. Eine davon, „Bruder“, handelt von Nenas erstem Sohn, der mit einer Behinderung zur Welt kam und im Alter von elf Monaten starb. Da vertrauen Samy Deluxe und Nena endlich mal auf Stimme und Text und lassen die hysterisch hibbelnde Untermalung weg.

          Nur ein einziges Lied lässt erahnen, welche Musik Nena heute machen könnte, wenn sie nicht mit ihrer Selbstverliebtheit beschäftigt wäre: „Ja, das war’s“ ist ein modernes „Für mich soll’s rote Rosen regnen“. Da ist dann natürlich viel die Rede von hohen Bergen und tiefen Tälern, Wüsten und Meeren, die es zu bewältigen galt. Aber diese ausgelutschten Bilder lassen sich verschmerzen, wenn offene Worte folgen: „Manchmal war alles für’n Arsch/Manchmal war’s phänomenal.“ Darunter wummert ein dumpfer Bass, und die Melodie zieht die Mundwinkel nach oben wie bei Nenas alten Liedern. Hier verzichtet Nena auf die Anklage der bösen Menschen, die sie angeblich für eine alte Frau halten. „Und ich frag mich: War es das alles wert?/Und ich denk: Ja, das war’s.“ Mit dieser Haltung kann man alt werden oder jung bleiben, ganz egal. Hauptsache, man steht sich nicht selbst im Weg.

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