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Musikvideos des Jahres : In alle Löcher, die du gräbst, fall ich rein

  • -Aktualisiert am

Indierock trifft Wasserballett: Szene aus dem Video „Packed Powder“ von Blind Pilot Bild: ATO Records

Wie tanzt man zu einem Powerpoint-Vortrag? Was machen wir, wenn Obama die Nachrichten nicht mehr vorsingt? Und wie erweicht man das Herz einer Kassiererin? Ein Blick zurück auf die Musikvideos des Jahres.

          2 Min.

          Das Popmusikjahr 2016 hat einen schwarzen Rahmen. David Bowies Album „Blackstar“ eröffnete, Leonard Cohens „You Want It Darker“ beschloss es: zwei dunkle Vermächtnisse von großen Musikern, die kurz darauf von der Lebensbühne traten, tongewordene Bilanzen, die bleiben und wirken werden. Schwere Kost, die den Hörer nachdenklich, vielleicht sogar depressiv stimmen wird. „We kill the flame“: Soll das etwa der letzte Satz in diesem Jahr sein? Nein, das können wir nicht wollen.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Also vielleicht Zeit, am Ende dieses Jahres, auch wenn es bis zuletzt noch viele andere verstorbene Musiker zu beklagen gab, zu schauen, ob nicht in dem dunklen Rahmen Platz für ein helles Bild wäre. Und das geht am besten, wenn man auch die visuelle Form der Popmusik mitberücksichtigt: nämlich das Musikvideo. Dafür, dass es schon manchmal totgesagt wurde, ist es doch immer wieder erstaunlich, mit welcher Kreativität solche musikalischen Bewegtkunstwerke geschaffen werden.

          Die folgende Liste ist sehr selektiv, sie hat nämlich nur den einen Zweck: Zum Abschluss dieses Jahres, anstelle eines letzten „Albums der Woche“, vielleicht gerade Ihnen für einen Moment ein sonniges Gemüt zu machen und womöglich den einen oder anderen noch nicht so bekannten Künstler vorzustellen. Daher werden Sie hoffentlich verschmerzen können, dass weder Beyoncé noch Kanye West auf dieser Liste vertreten sind.

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          Platz 10: Nada Surf, „Cold to See Clear“

          Es gab in diesem Jahr gleich zwei Platten von Nada Surf, zuletzt eine mit dem Babelsberger Filmorchester. Darüber, ob Popmusiker mit dem Babelsberger Filmorchester auftreten müssen, darf man geteilter Meinung sein. Zu der Frage, ob man seinen Büroalltag verbessern könnte, gibt es nach Ansicht dieses Videos nur eine Antwort.

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          Platz 9: Blind Pilot, „Packed Powder“

          Dieses Video hat eine gewisse Wes-Anderson-Ästhetik, der Pazifik in Oregon ist unglaublich schön und die Verbindung von Indierock und Wasserballett ist auch ungewöhnlich.

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          Platz 8: The Shins, „Dead Alive“

          Sie merken, es gibt hier gerade einen Indierock-Schwerpunkt. Doch auch dieses Video ist sehr gut und steigert die Vorfreude auf das neue Shins-Album im Frühjahr.

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          Platz 7: Bertrand Belin & Camélia Jordana, „Le mot juste (Le beau geste)“

          Zugegeben, ein sonniges Gemüt macht dieses Video nicht. Aber vielleicht liegt ja auch ein Glück in seiner Rätselhaftigkeit.

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          Platz 6: Ove, „Wo Du schläfst“

          Beim Release-Konzert dieser sehr vielversprechenden Band in einer Hamburger Kegelbahn wäre man gern gewesen. Aber zum Glück wurde auch gefilmt.

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          Platz 5:  President Obama and Jimmy Fallon, „Slow Jam the News“

          Er hat es noch einmal getan.

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          Platz 4: Red Hot Chili Peppers, „Carpool Karaoke“

          Obwohl auch andere Folgen dieser Show mit James Corden wieder ziemlich funky waren, haben wir uns für diese entschieden - nicht nur, weil der Sänger Anthony Kiedis angeblich während des Drehs einem Baby das Leben gerettet hat. 

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          Platz 3: Blue Man Group, „Tiny Desk Concert“

          Es gibt kaum eine nicht zu empfehlende Folge dieser Mini-Konzerte des amerikanischen Radiosenders NPR, aber die mit den blauen Männern war dann doch nochmal besonders gut.

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          Platz 2: Jimmy Fallon, Metallica and The Roots „Enter Sandman“ (Classroom Instruments)

          Zum zweiten Mal Jimmy Fallon, werden Sie jetzt womöglich einwenden. Aber hoffentlich nicht mehr protestieren, wenn Sie das Video gesehen haben.

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          Platz 1: The Avalanches: „Because I'm Me“

          Gibt der Weihnachtsliedzeile „I gave you my heart“ eine neue Bedeutung.

          Der Artikel zum „Album der Woche“ erscheint ab Januar 2017 an dieser Stelle immer freitags.

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