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Album der Woche: „Conchita“ : Die neue Wurstigkeit

Elegantes Liegen in Perfektion: Conchita Wurst bei einem Fototermin Bild: Sony Music / Markus Morianz

Als sie vor einem Jahr den Eurovision Song Contest gewann, hatte Conchita Wurst genau ein Lied im Repertoire. Für ihr Debütalbum ließ sie sich Zeit; erst jetzt ist es erschienen. Hat sich das Warten gelohnt?

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          Anderthalb Jahre sind in der Musikbranche eine Ewigkeit. Anderhalb Jahre, in diesem Zeitraum werden Menschen zu Stars und verglühen auch gleich wieder, wenn sie Pech haben. Es ist anzunehmen, dass Conchita Wurst dieses Risiko bewusst war, als sie sich entschied, mit ihrem Album abzuwarten. Im September 2013 wurde sie als österreichische Kandidatin für den Eurovision Song Contest vorgestellt, jetzt erst ist „Conchita“ erschienen. Zum Vergleich: Bei Lena Meyer-Landrut lagen damals nur zwei Monate zwischen dem Sieg bei „Unser Star für Oslo“ und der Veröffentlichung ihres ersten Albums. Einige der Lieder hatte sie allerdings zuvor schon live in der Show gesungen.

          Es ist Conchita Wurst hoch anzurechnen, dass sie sich nicht auf einen solchen Schnellschuss einlassen wollte. Doch die Arbeit, die in dem Album steckt, hat sich nur teilweise in seiner Qualität niedergeschlagen. Zum Beispiel in der Single „You Are Unstoppable“, wie „Rise Like a Phoenix“ eine Feelgood-Hymne mit jeder Menge Drama.



          Anschließend fällt das Album ganz langsam und allmählich ab. „Put That Fire Out“ besticht noch mit einer langsam steigenden und dann abrupt abfallenden Melodielinie in der Strophe, die dem gesummten Chorus von Michael Jacksons „Will You Be There“ stark ähnelt. Auch „Where Have All The Good Men Gone“ scheint ein Vorbild zu haben in “She Said“ von Plan B mit „She Said“, endet aber mit dem klassischen James-Bond-Wumms. Für „Out Of Body Experience“ haben die Produzenten einen orientalischen Sound gewählt, der erstaunlich gut mit der Stimme harmoniert.

          Conchita Wursts Debüt trägt ihren Namen.
          Conchita Wursts Debüt trägt ihren Namen. : Bild: Sony Music

          Dann wird es zappenduster: Über mehrere Lieder hinweg feiert das Arrangement die vielen Möglichkeiten, mit denen man einen Synthesizer nach billigem Kirmestechno klingen lassen kann. Diese Lieder sind nicht zu retten, auch nicht durch die kraftvolle Stimme der Künstlerin. Man möchte nicht glauben, dass „Somebody to Love“ und „Firestorm“ mit mehr Enthusiasmus als einem wurstigen „Egal, passt schon“ ins Album aufgenommen wurden.

          Die lyrischen Selbstbestätigungsmantras kumulieren im Lied „Heroes“, das dem Hörer noch einmal einbleut: Du bist stark! Du bist nicht aufzuhalten! Halt durch! „Don't let go! We can be so beautiful!“ Mit diesen bestärkenden Worten im Ohr ist es ein Leichtes, bis zum Ende des Albums durchzuhalten. Zumal die Synthie-Orgie ja bereits überstanden ist.



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