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Album der Woche : Mein Selbstvertrauen? Da habt ihr’s!

Chillen im Hoodie: Eminem Bild: Brian Kelly/Universal

Eminems neues Album wurde heruntergeschrieben, bevor es überhaupt erschien. Dabei hat es alles, was es braucht: Pathos und Witz, Reue und Hoffnung. Sein mutiger Selbstzweifel-Rap verdient Anerkennung.

          Es muss schwer sein, sich müde und kraftlos zu fühlen, wenn man als bester Rapper der Welt gilt. So geht es jedenfalls Eminem. Mal wieder. It's the curse of the standard / That the first of the Mathers discs set - vom Fluch des Maßstabs, den er sich selbst gesetzt hat, ist gleich zu Beginn seines neuen Albums „Revival“ die Rede. Diese Angst vor dem Versagen zieht sich durch die ganze Platte, im Wechselspiel mit einem erbitterten Aufbäumen gegen die Zweifel, die eigenen und die der andern.  Der Rap-Gott: alles Fassade, sagt er, so anstrengend.  Wie kann man die Geschwindigkeit beibehalten, wenn man das Wettrennen längst gewonnen hat? Ja, ihn schmerzt der Spott, das Stirnrunzeln. Er ist zwar Eminem, einer der erfolgreichsten Musiker der Welt, dem diese jahrelang bereitwillig aus der Hand fraß, aber er kann sich offenbar immer noch nicht wehren, wenn man ihm sein Selbstvertrauen nimmt. If you bitches are trying to strip me of my conficdence / Mission accomplished.

          Livia Gerster

          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das mag ein wenig larmoyant sein, aber für einen früher rücksichtslos brutalen Slim Shady ist diese radikale Ehrlichkeit verblüffend. Eminem nimmt seinen Kritikern den Wind aus den Segeln, indem er sich selbst der aller schonungsloseste Kritiker ist. Er rappt von früher, von Mindestlohn und Sozialhilfe, und wie ihm dieser Scheiß ein Motor war, ein Spiegel dessen, wer er war und er wo er hin wollte, und wie ihm dieser Motor nun fehlt, jetzt wo er  angekommen ist, in der Gated Community, way in the sky.

          Doch kampflos will er das Mikrofon nicht abgeben, und aus diesem Kampf ist ein interessantes Album geworden. Das wurde heruntergeschrieben, bevor es überhaupt erschienen ist. Dabei bietet es viel. Nicht nur Pop-Prominenz von Beyoncé über Alicia Keys und Pink bis hin zum britischen Singer-Songwriter Ed Sheeran. Sondern alles, was man auch von einem guten Film erwarten würde:  Pathos und  Witz, Reue und Hoffnung. Es gibt Pop-Balladen mit viel Piano und Tremolo wie „Walk on Water“ mit Beyoncé, aber auch alte Rap-Schule wie bei „Framed“ oder „Heat“. Eminem packt Ohrwurm-Refrains hinein, in denen Ed Sheeran vom Abwaschen seiner Sünden in heiligem Wasser säuselt, und klassisch misogyne Reime, in denen Frauen in Eminems Kofferraum gesperrt sind - nur dass eine dieser Frauen diesmal Ivanka Trump ist.

          Wenn sie nicht gerade Opfer seiner Gewaltphantasien  sind, dann treten Frauen als sexuelle Biester auf, wie in „Remind Me“. Dieser Track sampelt den Achtzigerjahre-Gassenhauer „I Love Rock‘n‘Roll“ von Joan Jett und gehört  zusammen mit den Neuauflagen von „Zombie“ (The Cranberries) und „The Rose“ (Bette Midler) offenbar zu den größten Provokationen für eingefleischte Eminem-Fans.  Doch was als Marketing-Strategie, als Chart-Garantie daherkommt, ist viel mehr als das.  Eminem ruht sich hier nicht einfach auf gefälligen Hits aus, sondern gibt seinem Album einen ganz neuen, ungewöhnlichen Klang.  „In Your Head“ und „Arose“ gehören zu den persönlichsten und berührendsten Songs.

          Verbeugung vor „Black Lives Matter“

          Auch Politik steckt im Album. „Like Home“ featuring Alicia Keys ist die feierliche Hymne zum Album-Cover, auf dem der Rapper hinter einem Amerikaschleier aus Sternen und Streifen in einer Geste der Verzweiflung den Kopf in die Hand stützt. Es ist ein Lied wie für das Football-Stadion, dramatisch, patriotisch – und es funktioniert.  Hier rechnet der White-Trash-Aufsteiger Eminem mit dem White-Trash-Präsidenten Trump ab und riskiert damit, seine eigene Klientel zu verprellen. Es ist nicht sonderlich originell, wie Eminem Trump da einen Nazi heißt, der aussieht wie ein Papagei und alles nachzwitschert, was er auf Fox News hört, aber es gibt auch ein paar bemerkenswerte Lines, mit denen Eminem vielleicht sagen will, dass Trump zwar ein Unfall, aber ein nötiger, läuternder Unfall für Amerika ist:  'Cause nothin' inside drives us like this fight does / Similar to when two cars collide 'cause / Our spirit's crushed, and this spot's a tight one / But here the jaws of life come / To pull us from the wreckage, that's what we get pride from.

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