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Album der Woche : Zirkustricks aus New Orleans

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Zehn Jahre nach dem Hurrikan Katrina beschwört die Sängerin Dee Dee Bridgewater die Vitalität der Stadt am Mississippidelta mit einer großen Hommage an ihre Musiktradition.

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          Zunächst sollte es nur ein lokales Projekt werden, aber glücklicherweise ist die Aufnahme „Dee Dee’s Feathers“ nun weltweit erschienen. Die Jazzsängerin Dee Dee Bridgewater sitzt im Kuratorium des New Orleans Jazz Market, der im Frühjahr in der Musikmetropole am Mississippi eröffnet wurde und sich ganz dem Jazz und der musikalischen Bildung widmen soll. Zum zehnten Jahrestag des Hurrikans Katrina, der Ende August 2005 New Orleans verwüstet hat, wollte Bridgewater zusammen mit dem New Orleans Jazz Orchestra des jungen Trompeters Irvin Mayfield ein Zeichen setzen und dem Stadtmarketing ein Werbeinstrument in die Hand geben. Doch schnell merkten alle Beteiligten, dass diese Musik mehr Menschen interessieren könnte.

          Es ist ein einmalig breites Panorama, das Bridgewater mit der jungen Big Band hier entwirft. Die Sängerin mit dem markanten Glatzkopf verfügt über eine extrem wandlungsfähige Stimme, die vom kleinmädchenhaften Kieksen bis zum dreckigen Blues-Shouting eine ganze Palette abdeckt. Letzteres kann sie vor allem im Duett mit Dr. John, einem der Glanzstücke der Platte, ausspielen. Der Krächzstimme dieses großen New-Orleans-Sängers stellt Bridgewater auf „Big Chief“ voller Autorität und mit viel Schmutz die ihre gegenüber.

          Auch Dixieland in Gestalt des Blues-Klassikers „St. James Infirmary“ findet Platz auf dieser Leistungsschau über eine Stadt, der man nicht zu Unrecht nachsagt, sämtliche Musikstile der Vereinigten Staaten erfunden zu haben. Die Federn des Titelsongs beziehen sich natürlich auf die Tradition der Karnevalsumzüge beim Mardi Gras in New Orleans, bei denen Indianerhäuptlinge mit reichem Federschmuck die verschiedenen Gruppen anführen. Legendäre Stücke wie Hoagy Carmichaels „New Orleans“ oder das berühmte „Do You Know What It Means To Miss New Orleans“, das Louis Armstrong gern gesungen hat, sind auch im Programm.

          Aber es ist nicht alles Rückblick. Mit „Congo Square“ und „C’Est Ici Que Je T’Aime“ hat Irvin Mayfield auch zwei neue Lieder geschrieben, bei denen seine riesige Band ihre ganze Kraft ausspielen kann. Dabei fällt neben dem Bandleader selbst vor allem der Posaunist Michael Watson auf, der in seinem Spiel sämtliche Traditionslinien seines Instruments inklusive der Zirkustricks des Ellington-Posaunisten „Tricky“ Sam Nanton aufgesogen zu haben scheint. Mit dem fulminanten Auftaktlied „One Fine Thing“ von Harry Connick jr., der selbstverständlich in New Orleans geboren wurde, hat Bridgewater sich einen persönlichen Wunsch erfüllt. „Den Song wollte ich unbedingt dabei haben, weil ich ihn großartig finde“, bekennt die Sängerin.

          Bei so viel überschäumender Lebensfreude könnte man den traurigen Hintergrund dieser musikalischen Hommage fast vergessen. Selbst heute, zehn Jahre nach „Katrina“, sind viele Stadtviertel in New Orleans abseits der Touristengegenden noch nicht wieder aufgebaut, Hilfsgelder fließen nach wie vor zäh. Für Irvin Mayfield hat das Projekt mit Dee Dee Bridgewater auch einen persönlichen Hintergrund: Der Vater des Bandleaders ist beim Hurrikan vor zehn Jahren ertrunken.

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