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Album der Woche : Nach dem Weltuntergang gibt’s Donuts

  • -Aktualisiert am

Wieder zu etwas zivilerem Aussehen zurückgekehrt: Mark Oliver Everett Bild: PIAS

Mit ihrer Mischung aus Elektrominimalismus und Grungerock prägten die Eels die Neunziger. Jetzt setzt Mark Oliver Everett mit „The Deconstruction“ die Abrissbirne an – aber zum Schluss wird optimistisch georgelt.

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          Moment mal, Eels und Weltende, da war doch was? Ja, Mark Oliver Everett sang schon vor fast zehn Jahren: „End times are near“ und gab sich dafür die Rolle eines verrückten Typen mit Rauschebart, der an der Straßenecke steht und die Apokalypse predigt. Aber das Album „End Times“ war Teil einer Trilogie, die trotz der agnostischen Haltung des Sängers christlich geprägt schien und mit dem heiteren Ausblick auf „Tomorrow Morning“ endete.

          Jan Wiele
          Redakteur im Feuilleton.

          Wenn der Maya-Kalender also mal wieder nicht Recht behält und man sich doch noch ein bisschen länger in seinem Dasein einrichten muss, was tun? Man könnte die Tage einfach genießen, als ob es die letzten wären. „Today is the Day“ heißt ein Lied auf dem neuen Album, und auch wenn der Text nicht weitergeht mit „of the rest of my life“, scheint die Botschaft doch keine andere als die des alten Selbsthilfegruppenspruches zu sein.

          Klingt niedlich, aber bleibt dann doch auch ein bisschen belanglos – die etwas dudeligen, allzu sehr auf Hitsingle gebürsteten Lieder waren noch nie die besten der Eels.

          Fast könnte man angesichts des Songs schon denken, die musikalische Geschichte der Band, die mit „Novocaine for the Soul“ einen überraschend neuen Sound aus Elektro-Minimalismus und Grungerock in die neunziger Jahre brachte und dann ein paar Jahre lang mehr oder weniger innovativ variierte, wäre endgültig auserzählt.

          Aber das würde dem ganzen Album „The Deconstruction“ doch nicht gerecht, denn gleich mit dem eröffnenden Titelstück passiert hier doch noch einmal etwas Neues. Zu der programmatischen Zeile „The deconstruction has begun“ erklingt nämlich ein derart trockener HipHop-Beat, dass man sich fast an RZAs tollen „Ghost-Dog“-Soundtrack erinnert fühlt. Nur dass der Rapper nicht so schön singen kann wie E, der hier erst zartschmelzend unter irisierenden Geigen trällert, dann aber unvermittelt zur wilden Wolfsstimme (vgl. „El hombre lobo“, 2009) umschaltet.

          So eine gute Hookline wie dieses wütende „I break apart“ hatte Everett lange nicht, und er legt mit dem Lied „Bone Dry“ gleich noch eine nach. Dazu tanzen im Video die Toten (eine interessante Parallele zum letzten Comeback-Video der Independent-Rocker von The Shins) – schade nur, dass dem Lied an einer Schubidu-Stelle dann plötzlich die Ideen ausgehen.

          Die Durchwachsenheit von „Bone Dry“ kann exemplarisch für das ganze Album stehen, das manchmal etwas dünn und zu sentimental klingt. Im symphonisch aufgebrezelten „Be Hurt“ (also: sei ruhig verletzt und schwelge in deinem Schmerz, die Welt kann's aushalten) erreicht Everett sogar die Melodramatik eines Harry Nilsson. Dann leidet er noch ein bisschen mehr („There I said it“), um den Hörer schließlich mit einer Art Weltfriedensappell mit Orgelbegleitung zu entlassen („In Our Cathedral“).

          Das hübsche Pressebild von Everett mit inzwischen wieder etwas zivilerem Aussehen in einem All American Diner, das zu dieser Platte herausgegeben wurde, ist die visuelle Entsprechung zu solchen Songs, es sagt uns: Nach dem Weltuntergang gibt's Donuts und Kaffee.

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