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Album der Woche: Sisyphus : Alle wollen den Löwenanteil

Hörprobe: „Lion’s Share“ von Sisyphus Bild: Brendan Beecy

Was kommt heraus, wenn man einen Rapper, einen Singer/Songwriter und einen DJ in ein Zimmer sperrt? Serengeti, Sufjan Stevens und Son Lux zeigen es: eine feine, tanzbare Retro-Mischung.

          Es beginnt mit einem sehr trockenen Hip-Hop-Beat, der in etwa so cool ist wie Forest Whitaker in dem Film „Ghost Dog“, wenn er sich zur Musik von The RZA bewegt. Dazu passt auch die Botschaft des Stücks, eine alte Samurai-Weisheit: „Calm it Down“. Um sie zu unterstreichen, kommt dann noch eine sehr entspannte Orgel dazu, die etwas an „Bakerman“ erinnert, jenes merkwürdige Nonsenslied des dänischen Popduos Laid Back. Und als das Lied schon fast vorbei ist, wandelt es sich plötzlich in eine Ballade, die über spärlichen Klavierakkorden ausklingt.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Was ist das also für eine ulkige Retro-Melange, die uns hier eingeflößt wird? Es ist das, was herauskommt, wenn man einen Rapper, einen Singer-Songwriter und einen Multi-Instrumentalisten in ein Zimmer sperrt. Genau das haben Serengeti, Sufjan Stevens und Son Lux sich tatsächlich angetan: Gute drei Wochen tüftelte das Trio, das zuvor schon einmal unter dem Projektnamen S/S/S virtuell kooperiert hatte, nun in real-schwitziger Atmosphäre an einem Album, das wie der neue Bandname betitelt ist: „Sisyphus“.

          Ein Album aus einem Guss

          Er spielt auf die scheinbare Sinnlosigkeit an, drei so verschiedene Musiker zusammenzubringen, die dann natürlich auf das Schönste widerlegt wird: Denn aus den harten Raps, den sphärischen Keyboardklängen und Elektro-Grooves und dem melancholischen Timbre von Sufjan Stevens, das man sofort heraushört, wird tatsächlich eine feine Mischung, ein Album aus einem Guss.

          Zu verdanken ist das Son Lux (bürgerlich Ryan Lott), der bei den Aufnahmen sozusagen als DJ gewirkt und die Samples besorgt hat, und der die Produktion insgesamt verantwortet. Dabei hat, wie aus einem lustigen Begleitinterview zur Platte hervorgeht, immer eines im Vordergrund gestanden: Die Musik so zu gestalten, dass man damit die Leute auf einer Studentenverbindungs-Party zum tanzen bringen könnte, also immer mit der Leitfrage: „Are they singing at the hook, is the bass thumping, are the girls grinding?“

          Die richtige Hook-Line

          Der Witz dabei ist, dass die teils dunklen Lyrics über Drogen, Depression und Trennung dazu klar im Widerspruch stehen, aber trotzdem tanzbar gemacht werden sollen. Auf das Schönste gelingt das bei der Gangster-Ballade „Lion's Share“, das mit seiner Hook-Line („We're all in search for the lion's share“) zugleich das Gerangel der drei Künstler um den Löwenanteil an diesem Projekt  zu ironisieren scheint.

          Und tatsächlich scheinen bei allem Kollaborationsgeist auch immer wieder die Eigenheiten der Künstler durch: Das symphonische „I won't be Afraid“ könnte auch auf einer regulären Sufjan-Stevens-Platte sein, das rohe „Booty Call“ dagegen ist eine Plattform nur für den Rapper Serengeti. Wann immer die beiden ihr Talent wirklich mischen mit dem von Son Lux, kommt ein ziemlich unerhörter Musikstil dabei heraus, so wie bei dem sehr intensiven „Rhythm of Devotion“.

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