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CD der Woche: Zoot Woman : Eine Band macht ernst

Hörprobe: „Just A Friend Of Mine“ Bild: Motormusik Snowhite (Universal)

Popmusik als das Versprechen, ein anderer Mensch sein zu können, ohne es werden zu müssen: Zoot Woman sind zurück und haben mit „Things Are What They Used To Be“ ein dunkles, unruhiges, intelligentes Album vorgelegt.

          Manchmal ist Stuart Price zu spät dran für die Konzerte seiner Band Zoot Woman. Dann steht er vor der Bühne mitten im Publikum und schaut zu, wie die anderen – seine beiden Schulfreunde Johnny und Adam Blake, Jasmin O’Meara am Bass und die Backgroundsängerinnen – Lieder spielen, die Price sich mit seiner Band ausgedacht hat. Aber Price ist eben nebenher auch noch Produzent, ein sehr beschäftigter und gefragter sogar. Einer, den Madonna anruft, wenn sie wie eine europäische Disko klingen will, und dann kommt Price und sie nehmen „Confessions on a Dance Floor“ auf. Oder die Killers buchen ihn, um eine Tanzplatte zu machen wie „Day & Age“ im vorigen Jahr.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Und deshalb ist Stuart Price in den letzten sechs Jahren, die es gedauert hat, das neue Album seiner eigenen Band namens „Things Are What They Used To Be“ zu schreiben, zwischen den Bandproben zuhaus und den Studios der Welt gependelt, hat deshalb manche Konzerte verpasst, aber eben auch eine Menge Musik gehört, und wenn man so will, dann ist dieses neue Album von Zoot Woman das Ergebnis einer ziemlich intensiven Auseinandersetzung mit den avanciertesten Sounds, die Popmusik im Jahr 2009 zu bieten hat.

          Jäger der verlorenen Fantasie

          Zoot Woman haben 2001, als Stuart, Adam und Johny gerade um die zwanzig waren, mit ihrem Debüt „Living In A Magazine“ die denkbar geschmackvollste Renaissance der achtziger Jahre ausgelöst. Nicht mit Umhängekeyboards oder Schulterpolster und großen Frisuren, sondern fern jeder Ironie. Eher so, dass Zoot Woman mit großem Ernst die Essenz jener Epoche herauspräparierten, als Synthesizer auf Rockformate trafen und beides zu einer elektronischen Melancholie verschmolzen, effektiv, kalt, glänzend und schön wie Chrom.

          Mit „Living In A Magazine“, sagt Stuart Price heute, wollte er etwas zurückgewinnen, was er in der Popmusik seit dem Männerpathos von Nirvana vermisst hatte. „Die Fantasie war verlorengegangen“, sagt Price, ein aufmerksamer und freundlicher Gesprächspartner. „Ich habe immer gedacht, dass Fantasie ein große Rolle in der Popmusik spielt, dass man auf der Bühne nicht so aussehen sollte, wie man sonst auf der Straße herumläuft, dass Männer ruhig geschminkt sein sollten und all das nicht ernst gemeint sein muss. Mit Nirvana änderte sich das, und plötzlich sollte man echt und ganz bei sich selbst sein, ein Außenseiter – was am Ende auch nur kommerziell wurde.“

          Schein ohne Sein

          Und weil Zoot Woman da etwas verstanden hatten und wiederbelebten, was englische Popmusiker immer schon besser konnten als amerikanische, wurden die geschminkten drei jungen Männer im Jahr 2001 zur Band der Stunde, deren Bilder aus Modezeitschriften herausfielen, deren Songs in Galerien gespielt wurden, zur Traumband für junge Menschen, die am eigenen Stil experimentierten. Nebenher war die Musik wirklich gut: als hätten Zoot Woman die klarsten Momente von Human League und Heaven 17 nochmals neu entwickelt. „Information First“ war eines der Lieder, die von einer Minute zur anderen alles änderten; als könnte die Popmusik ab jetzt nicht mehr hinter diesen Sound zurück. Man kann eben auch Human League und Heaven 17 nur einmal zum ersten Mal zitieren.

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