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CD der Woche: SuperHeavy : Was zum Teufel passiert hier?

  • -Aktualisiert am

Hörprobe "SuperHeavy" Bild: AP

Supergruppen kann es nicht genug geben. Nur die Musik muss stimmen. Das hat Mick Jagger bei seinem Projekt SuperHeavy womöglich vergessen. Keith Richards wird sich freuen.

          4 Min.

          Es war bekannt, dass Mick Jagger hin und wieder fremd geht. Dass es nun aber auch noch Gruppensex sein muss, erstaunt. Mit eigentlichen Soloplatten fing er, wenn man von dem „Performance“-Soundtrack (1970) absieht, 1985, also relativ spät an. Seither erschienen vier Alben von ihm, von denen dreieinhalb akzeptabel bis gut waren. Zusätzlich traf er sich, sofern es seine Rosenzucht erlaubte, immer mal wieder mit seinen Vettern und Cousinen aus dem Rockadel, um mit denen gemeinsame Sache zu machen - Peter Tosh, David Bowie, Lenny Kravitz und Tina Turner. Er hat also eine gewisse Übung.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

          Das Selbstbewusstsein hat in all den Jahren auch nicht gelitten, sonst wäre er kaum auf die Idee gekommen, eine Gruppe zu gründen, die SuperHeavy heißt und sich auch noch so scheußlich schreibt. „Super“ ist sie natürlich trotzdem, aber nur in dem Sinne, in dem Supergruppen es immer sind: nach ihrer Prominenz. Dieses Prinzip gibt es seit fünfundvierzig Jahren in Gestalt von Cream, Crosby, Stills, Nash & Young, Blind Faith, neuerlich der Raconteurs, Broken Bells, Them Crooked Vultures, Dead Weather und und und. Sie alle sind bestückt mit Musikern, die zuvor in anderen Formationen oder solo erfolgreich oder zumindest bekannt waren.

          Kein Gleichgewicht der Kräfte

          Das ist bei Mick Jagger eindeutig der Fall und bei den anderen auch. Dave Stewart hatte das Glück, dass seine Songschreiber- und Gitarristenqualitäten bei den Eurythmics zwar zur Geltung kamen, und gleichzeitig das Pech, dass er als Person neben Annie Lennox immer irgendwie unwichtig wirkte. Joss Stone veröffentlichte im Jahre 2003, mit sechzehn, eine Kollektion von Soulklassikern, mit der sie sofort zum achten Weltwunder dieses Genres wurde; seither hat sie etwas nachgelassen (Ich will doch gar nicht in Liebe sein: Folgt Joss Stone auf Amy Winehouse?), aber ihr Status als barfüßige Prinzessin blieb davon unangetastet. A.R. Rahman dürfte durch den Soundtrack um Oscar-Blockbuster „Slumdog Millionaire“ genügend ausgewiesen sein. Und Damian Marley kennt man von Vater Bob.

          Der Promi-Gehalt könnte natürlich noch höher sein, aber im Großen und Ganzen stimmt er - und ist, wie bei den meisten anderen super groups auch, gleichzeitig das Problem. Die Geschichte hat gelehrt, dass, wenn es sich um halbwegs gleichstarke Egos handelt, die Sache auf Grund dauernder Hahnen- oder Hennenkämpfe bald wieder beendet ist. Bei SuperHeavy kann von einem Gleichgewicht der Kräfte keine Rede sein. Diese Gruppe wird ganz überwiegend als Mick Jaggers (neue) Band wahrgenommen, obwohl, wie man hört, die Initiative dazu von Dave Stewart ausging. Ohne Jagger wäre sie jedenfalls erheblich weniger der Rede wert gewesen, weil allein schon der anhaltende Zickenkrieg der im nächsten Jahr Goldene Hochzeit feiernden glimmer twins Aufmerksamkeit erzielt - angeblich wollte Jagger mit diesem Projekt Keith Richards mal wieder eins auswischen.

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