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CD der Woche: Ry Cooder : Nimm die Finger weg!

  • -Aktualisiert am

Hörprobe: „The 90 And The 9“ Bild: Joachim Cooder

Der Gitarrist Ry Cooder läutet den amerikanischen Wahlkampf mit einer Platte ein, die man ihm in keiner Hinsicht zugetraut hätte.

          4 Min.

          Was ist das: ein „Brennpunkt“ auf sechs Saiten zum amerikanischen Wahlkampf? Lesen tut es sich so: „Election Special“. Aber für eine dieser routinemäßig eingeschobenen Info-Sendungen hat es zu viel Wucht. Machen wir es kurz: Die neue Ry-Cooder-Platte ist die beste seit - Moment, wir müssen die Nadel jetzt ein wenig zurückschieben und lassen sie dann doch erst auf „Paradise And Lunch“ (1974) herunter - fast vierzig Jahren. Und sie ist das ätzendste Statement, das einem amerikanischen Unterhaltungskünstler zur (nun bald wieder drohenden) Politik seines Landes bisher eingefallen ist.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Ry Cooder ist nicht der Einzige, der den Mund aufmacht. Und schon seine 2007er, gleichfalls überzeugende Platte „My Name Is Buddy“ enthielt, in Form von Tierfabeln, beißenden Spott über die Lage des Landes. Das ist an sich nicht originell. Neu ist aber eine gewisse Dringlichkeit im Ton. Vor allem der in den sechziger Jahren gestarteten Generation scheint jetzt der Kragen zu platzen. Schon Neil Young forderte, als Bush Junior noch am Ruder war, ohne Umschweife „Let’s Impeach the President“, und selbst Dylan ließ sich auf einem seiner jüngeren Alben mit arbeiterklassen- und gewerkschaftsfreundlichen Untertönen vernehmen.

          Mehr Wut als Michael Moore

          Auf dieser Welle schwimmt Ry Cooder keineswegs opportunistisch mit; vielmehr bewies er schon mit dem Song „J. Edgar“ von der „Buddy“-Platte Gespür, denn Clint Eastwoods Hoover-Film kam erst danach. Dass dieser Meistergitarrist, der sich politisch bis dahin zurückgehalten hatte, neuerdings so explizit wird, zeigt, wie weit es mit Amerika schon gekommen ist und was auf dem Spiel steht, falls im Herbst der Kandidat derjenigen Partei gewinnt, die, wie inzwischen nicht nur die gerne als „linksliberal“ verhöhnte Kulturschickeria denkt, das Land in den beiden Amtszeiten des jüngeren Bush moralisch heruntergewirtschaftet hat. Dafür legt Ry Cooder seine ganze musikalische und - als jemand, der sich nie korrumpieren ließ und lieber noch ein bescheiden verkäufliches Album mehr aufnahm, als sich beim Massengeschmack anzubiedern; naja, wenn man vom Buena Vista Social Club absieht, aber das war ja mehr Wim Wenders’ Idee - eben auch moralische Autorität in die Waagschale.

          “Election Special“: Jetzt merkt hoffentlich auch der Letzte, der ihn nur als Beschaller manchmal doch recht langweiliger Filme kennt, dass dieser Mann im kleinen Finger, der die Bottleneck so geläufig und gefühlvoll auf und ab bewegt, mehr Wut hat als Michael Moore und alle anderen Krakeeler zusammen. Als Erster ist Mitt Romney dran, der im „Mutt Romney Blues“ mit einem Vornamen bedacht wird, bei dem die Assoziation des Dreckigen (mud) vermutlich beabsichtigt ist und, angesichts des fast übertrieben gepflegten Äußeren dieses Politikers, einen komischen Effekt ergibt. Der negroide Slang, den Taj Mahal, sein Kumpel aus uralten Rising-Sons-Tagen, in offensiv-kritischer Absicht im Bluesrock hoffähig gemacht hatte, bringt zusätzliche Schärfe ins Spiel: „Ol’ massa boss cut me down“, singt Cooder stampft wie John Lee Hooker, als hätte Romneys Anzug noch nicht genug Staub abbekommen.

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