https://www.faz.net/-gsd-139hv

CD der Woche: Portugal The Man : Von Elton John lernen heißt siegen lernen

  • -Aktualisiert am

Hörprobe: „People Say” Bild: Carco Records

Songwriting und Soul, Glockenspiel und Gospel, Postrock und Electro in eine eigenwillige Pop-Architektur aus Mut und Musik gegossen: Auf „The Satanic Satanist“ überwinden Portugal The Man alte Schwächen und besinnen sich auf alte Stärken.

          Wenn jemand wie, sagen wir, Elton John Songwriting, Soul, Glockenspiel und Gospel, Postrock und Electro in eine eigenwillige Pop-Architektur aus Mut und Musik gießen würde - wie würde das klingen? Es würde vielleicht klingen wie Portugal The Man, eine vierköpfige Band aus Alaska und Portland, Oregon, die gerade mit „The Satanic Satanist“ ihr viertes Album vorlegt und dabei das Elton-John-Moment früherer Tage in unsere Zeit hinüberrettet.

          Portugal The Man haben immer zitiert. Galten sie mit ihrem ersten Werk „Waiter: 'You Vultures‘!“ als die, denen es gelang, die Unlust zur Melodie ihrer Kollegen von The Mars Volta zu kanalisieren, so addierte sich in den Alben Nummer zwei und drei, „Church Mouth“ und „Censored Colors“, nach und nach ein diffuses pophistorisches Bewusstsein, indem sie epische Art-Rock-Aspekte, psychedelisches Wabern und hippiesken Folk gleichermaßen zitierten.

          So entstanden Alben, die von allem ein wenig zu viel hatten und von manchem zu wenig. Portugal The Man klangen entweder anstrengend oder eingängig, aber immer eigenwillig und neu, weil sie nie vergaßen, ihre eigenen Ideen oder geklaute Samples in ihre Musik zu integrieren.

          Nur selten wie in Knopflers Keller

          Auf „The Satanic Satanist“ weicht nun der Pomp dem Pop - drei Minuten sind jetzt Standard, fünf Minuten die Ausnahme. Die Band ist erwachsener geworden. Sie macht nun eines nach dem anderen: die Idee zum Song, das Songwriting, die Aufnahme. Früher ging das oft gleichzeitig, das Ergebnis zwar charmant, aber nicht präzise, wie ein guter Popsong aber sein sollte. Außerdem wurde „Satanic Satanist“ mit einem professionellen Produzententeam, das schon für die Pixies, Radiohead oder Dinosaur jr. an den Reglern saß, eingespielt.

          Die Band hat sich zudem auf eine Stärke ihres ersten Albums zurückbesonnen: Loops und Samples. Die klingen in den brillanten Momenten, als kämen sie aus der belgischen Electronica-Manufaktur „2 Many DJs“; nur in den wenigen unangenehmen Momenten glaubt man, dass das Quartett einen Spaziergang in den Keller von Mark Knopfler unternommen hat. Leider beginnt das Album mit so einem Moment: „People Say“. Spätestens mit „The Sun“ ist dann der Augenblick gekommen, wo man an Elton John oder auch an die Beatles denkt.

          Weitere Themen

          Ein Tag Sendepause

          Wikipedia schaltet ab : Ein Tag Sendepause

          Die Wikipedia stellt heute den Dienst aus Protest gegen die europäische Urheberrechtsrichtlinie für vierundzwanzig Stunden ein. Mit der Aktion machen sich die Lexikon-Schreiber unglaubwürdig. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Chinas Präsident in Rom : Rivale auf Werbetour

          Rom will sich an Pekings Seidenstraßen-Projekt beteiligen – und empfängt heute Xi Jinping. Der braucht dringend einen Erfolg. Doch Italien hat die Chance auf eine gemeinsame EU-Strategie im Umgang mit China verspielt.

          Selbstscanner-Kassen : Kunden werden jetzt auch zu Kassierern

          Lange Schlangen an den Kassen im Supermarkt? In Deutschland kommt es immer mehr in Mode, seinen Einkauf einfach kurzerhand selbst zu scannen. Doch jeder sollte klein anfangen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.