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CD der Woche: Paul McCartney : Der Ärger mit dem Alterswerk

  • -Aktualisiert am

Hörprobe: „Alligator“ Bild: Mary McCartney / Universal

Einundsiebzigjährig bringt Paul McCartney wieder eine Platte heraus, die erste mit eigenen Liedern seit sechs Jahren. „New“ kann sich hören lassen, aber der große Wurf ist leider nicht gelungen.

          4 Min.

          Es ist natürlich nicht verboten, für eine Platte vier Produzenten anzuheuern; aber es kann auch ein Zeichen dafür sein, dass etwas nicht stimmt. Doch „stimmte“ je etwas mit den Soloalben von Paul McCartney in jenem Sinne, dass man dachte: Hiermit macht er jede Rückbesinnung auf die Beatles überflüssig? So etwas gab es nicht und wird es auch nie geben.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Als Solist bekam er unter allen vieren von der Kritik mit Abstand am kräftigsten eingeschenkt, durchaus nicht immer verdient, die allerersten Platten sind jedenfalls immer noch sträflich unterbewertet. Aber so richtige Meisterwerke, die wie aus einem Guss wirken (es aber ja selten sind), ohne dabei auch nur eine Sekunde zu langweilen – wie oft hat es die eigentlich von ihm gegeben? Nach „Band On The Run“ (1973) hatte wahrscheinlich nur noch „Tug Of War“ (1982), für das er den alten Fuchs George Martin wieder an die Regler ließ, diese wirklich, eben McCartney-mäßig bezwingenden Melodien.

          Danach kommt erst wieder „Flaming Pie“, das er 1997 auf die von der fragwürdigen Beatles-Anthology noch ganz selige Gemeinde losließ, sicherlich einer der stichhaltigsten Beweise für seine Fähigkeit, Konzentration und Mühelosigkeit, Beiläufigkeit und Triftigkeit unter einen Hut zu kriegen. Und die drei regulären Studioplatten des vergangenen Jahrzehnts, mit denen er sein Spätwerk eigentlich hätte beschließen können und die in unseren sich ja immer verrückter beschleunigenden Zeiten allen Ernstes schon als „Klassiker“ ausgerufen werden (obwohl sie schwer zu bekommen sind), fielen wenigstens zufriedenstellend aus.

          Es wäre wirklich zu schön gewesen, könnte man jetzt die beste Paul-McCartney-Platte seit 31 Jahren anzeigen; aber das ist „New“, trotz der Vorschusslorbeeren, mit denen die Parole „wild und wagemutig“ ausgegeben wurde, nicht geworden. Daran konnten auch die Produzenten nichts ändern: Paul Epworth, Ethan Johns, Sohn des alten Beatles-Buddies und epochemachenden Tonmeisters Glyn, Mark Ronson, der das zweifelhafte Vergnügen hatte, Amy Winehouse im Studio zu beaufsichtigen, und Giles Martin, Sohn des großen George (Martin, nicht Harrison).

          Dass sie die Aufnahmen „fresh and energetic“ gemacht hätten, wie Paul McCartney in den selbstzufriedenen Liner Notes, die ihm bei der Plattenfirma Universal offenbar niemand ausreden konnte, selbst behauptet, ist jedenfalls übertrieben. So ist es zumindest die erste Platte mit Eigenkompositionen seit sechs Jahren geworden, seit „Memories Almost Full“, die noch ganz munter klang; über sein letztes Album, die betuliche Jazz-SchnulzenSammlung „Kisses On The Bottom“, lässt sich nur sagen, damit habe er sich einen Herzenswunsch, Lebenstraum, oder was dergleichen Flausen mehr sind, erfüllt – künstlerisch ein Todesurteil, wie es sich natürlich nur bei den ganz Großen zu fällen lohnt. Dazu wird es hier aber nicht kommen. (Wir reden immer noch vom erfolgreichsten Komponisten aller Zeiten.)

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