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CD der Woche: Parov Stelar : Extravaganz als Genuss

  • -Aktualisiert am

Ein Mann mit vielen Namen: Im Jahr 2004 wurde Parov Stelar mit dem Lied „Kiss Kiss“ berühmt Bild: Etage Noir

Ja, ist denn jetzt schon Sommer? Allerdings, und hier ist die passende Musik: Der Electro-Swinger Parov Stelar heizt kräftig ein. Das Album verführt mit zauberhaft-melancholischen Popsongs.

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          Swing trifft Electro trifft Downbeat trifft Nujazz: Der österreichische Electro-Swing-Pionier Parov Stelar führt auf seinem neuen Doppelalbum „The Princess“ den eigenwilligen Stil fort und stellt mit einer gewagten und doch stimmigen Mischung von zauberhaft-melancholischen Popsongs und mitreißenden Beats sein kontrastreiches Spektrum unter Beweis.

          Electro-Swing entstand um die Jahrtausendwende in Chicago, von wo aus er sich bis nach Osteuropa durchsetzte. Aktuell lassen sich neben Parov Stelar Künstler wie Caravan Palace, Caro Emerald oder Gramophonedzie in dieses Genre einordnen. Marcus Füreder, wie Parov Stelar eigentlich heißt, war zunächst als DJ unterwegs. In den Folgejahren begann er, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Anfangs agierte er dabei unter seinem echten Namen sowie unter dem Pseudonym Plasma. 2003 erfand er sich als Parov Stelar neu und rief sein eigenes Label Etage Noir ins Leben.

          Fans rund um den Globus

          Charakteristika seiner Musik sind Swing- und Jazzelemente aus den dreißiger bis sechziger Jahren, die er mit Electro- und Downbeat-Strukturen in die Moderne übersetzt. Instrument seiner Wahl ist dabei der Sampler, mit dem er erfolgreich sowohl die Musikrichtungen als auch die Jahrzehnte mixt. 2004 gelang ihm mit der EP „KissKiss“ und dem Album „Rough Cuts“ der Durchbruch.

          Inzwischen hat Parov Stelar Fans rund um den Globus gewonnen. Dazu tragen auch seine Live-Konzerte bei. Dabei tritt er neuerdings mit einer vollständigen Band auf. Zu den ständigen Mitgliedern der Parov Stelar Band zählen, neben Füreder selbst, der Saxophonist Max the Sax alias Markus Ecklmayr, Jerry di Monza (Trompete), Cleo Panther (Gesang), Willie Larsson Jr. (Drums) und Michael Wittner (Bass).
          „The Princess“ ist das nunmehr fünfte Album, das zeigt, dass Füreder es noch lange nicht müde ist, einer tanzwütigen, lebenshungrigen Generation ordentlich einzuheizen. Gleichzeitig merkt man dem Doppelalbum eine Weiterentwicklung an: Parov Stelar macht Platz für Dunkles und Nachdenkliches.

          Eine lebhafte CD

          So finden sich auf der ersten der beiden CDs überwiegend ruhigere Songs mit Pop- und Soul-Elementen. Es dominieren Piano-, Trompeten- und Streicherklänge. Zu den Höhepunkten gehört der Auftakt „Milla’s Dream“, der eine träumerische Leichtigkeit transportiert. Melancholisch, bisweilen geradezu düster wirken hingegen Stücke wie das atmosphärisch dichte „You Got Me There“ oder „Dust in the Summer Rain“, dessen Schwermut Lilja Blooms Stimme zart und zugleich intensiv zum Ausdruck bringt. Eingängig und mit deutlich mehr Lounge-Atmosphäre plätschert „Beautiful Morning“ dahin, während „Song for the Crickets“ mit gesampeltem Grillenzirpen durch seine Originalität besticht. Insgesamt hat die erste CD eine für Parov Stelar überraschend gesetzte, reife Struktur, die Raum für emotional fordernde Zwischentöne und schillernde Extravaganzen lässt.

          Teil zwei des Albums besteht aus bislang unveröffentlichten Songs und Titeln, die zuvor nur auf Vinyl erschienen waren. Diese CD ist deutlich lebhafter, mehr am Dancefloor orientiert. Vor allem das basslastige „Jimmy’s Gang“ und das burleske „Wanna Fete“ sorgen für Partystimmung und kitzeln die Tanzlust in den Füßen wach. Hier lautet die Botschaft eindeutig: „Spaß haben, sich vergessen, den Moment feiern und das Leben genießen“ (Füreder).

          Insgesamt steht „The Princess“ für Glitzer, Glamour und Lebenslust – so, wie es sich für ein königliches Werk gehört. Dennoch wird klar, dass auch Prinzessinnen die ein oder andere Erbse unter der Matratze haben, die hervorgeholt und in sämtlichen Klangfarben betrachtet werden will. Füreder bezeichnet diese schwermütigen Anwandlungen als „eine reife Melancholie, die zu keiner Zeit ins Pessimistische abgleitet“.


          Für ihn selbst war die Arbeit an dem Album, die zweieinhalb Jahre in Anspruch nahm, eine Suche nach seinem Künstler-Ich: „The Princess ist die Geschichte einer langen Reise ins Land der Fragen, eine Konfrontation damit, wie viel Pop und Mainstream ich zulassen darf, ohne meine Identität zu verlieren. “ Füreder löst das Problem, indem er Ambivalenzen bestehen lässt: Auf der einen Seite darf man träumen, auf der anderen tanzen.

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