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CD der Woche: Of Monsters And Men : Tränen auf Reisen

  • -Aktualisiert am

Hörprobe: „Your Bones“ Bild: Universal

Ihr Debütalbum ist inspiriert von ihrer isländischen Heimat: Der zielstrebige Pop von Of Monsters And Men stellt sich als erstklassige Hintergrundmusik für verregnete Tage heraus.

          Draußen regnet es Fäden. Nur in Notfällen verlässt man jetzt noch die auch ohne Heizung warme Wohnung, von der aus man sicher die heruntertränenden Regentropfen an der Fensterscheibe beobachtet - eine Szene, die in Liebesfilmen üblich und in Island alltäglich ist. Eingewickelt in eine kuschelige Wolldecke, fehlen einem in solchen Momenten nur noch zwei Dinge: eine heiße Schokolade und das Debütalbum der Gruppe Of Monsters And Men. Ersteres ist gerade und trotz Regen nicht ganz das Richtige, letzteres schon.

          Tatsächlich scheint das Album „My Head Is An Animal“ Musik in behaglich-zurückgezogener Lage entstanden zu sein, und die sechsköpfige Band widmet es ausdrücklich den Jahreszeiten auf Island, also auch dem Sommer. „Island kann ein sehr isoliertes Land sein, und dieses Gefühl findet sich oft in der Musik wieder“, sagt Frontsängerin Nanna Bryndís Hilmarsdóttir. Verteilt auf zwölf Songs, prägen Islands Natur und mit ihr die beängstigende Leere des Landes, das rauhe Klima und ein Stück Einsamkeit das Album. Das lässt sich nicht ausschließlich am Inhalt festmachen, sondern beispielsweise auch an der zurückhaltenden Gitarre, die so behutsam von Brynjar Leifsson bedient wird, und an den melodischen Klavierspritzern oder zarten Akkordeonklecksen.

          Die Geschichten, die sie ihre Lieder erzählen lassen, kommen wagemutiger daher. Dass der Bandname (Von Monstern und Männern) liebevoll zum Programm gemacht wird, beweist das Lied „Six Weeks“. Es handelt von Hugh Glass, der von seinen Freunden nach einem Kampf mit einem Grizzlybären für tot erklärt wurde; in Wirklichkeit hatte er den Kampf für sich entschieden. Oder „From Finner“, das eine interessante, höchst originelle, aber wohl nur für Kapitän Ahab denkbare Möglichkeit der Weltreise beschreibt: in einem Haus auf dem Rücken eines Wales.

          Eine Folk-Pop-Band?

          Wenn sich gerade kein Mythos aufdrängt, singt die Band einfach „La la la la“. Nanna Bryndís Hilmarsdóttir, die stimmlich an Ellie Goulding erinnert, war während einer Solo-Tournee auf ihre fünf Bandkollegen gestoßen. Zunächst sollte Ragnar Þórhallsson nur ihren zarten, ausgesprochen weiblichen Gesang verstärken. Auf dem Album darf er seine Stimme, die stets so klingt, als würde er lächeln, glücklicherweise auch alleine zu Gehör bringen. Mit „Your Bones“ evoziert der von seinen Freunden genannte „Haggi“ eine geradezu feierliche Stimmung.

          Wenn die Songs den Naturzustand Islands ausdrücken sollen, bricht mit „Little Talks“ der Hekla-Vulkan aus. Mitten zwischen melancholischen Liedern kommt es plötzlich erschreckend fröhlich, typisch nordisch und definitiv folkloristisch aus den Lautsprechern. Mit „Little Talks“ war die Band nicht nur hierzulande bekannt geworden, sondern schaffte auch in Amerika, und ihrer Heimatstadt Reykjavík sowieso, den Durchbruch. Von Geistern und Wahnsinn, von Einsamkeit und Ängsten weiß das Lied zu berichten, mit dem die Band vor zwei Jahren einen Wettbewerb in ihrem Heimatland gewonnen hat. In einem Interview erzählte ein Bandmitglied, dass Island so klein sei, dass mit jeder Band gleich ein neues Genre entstünde, weil die Konkurrenz sonst viel zu groß sei.

          Das mit dem Genre ist bei Of Monsters And Men aber so eine Sache. Sie selbst klassifizieren sich als Folk-Pop-Band. Allerdings reichen betrommelte „Hey, Hey!“-Rufe im Hintergrund nicht aus, um das Album als Folklore durchgehen zu lassen. Wer von dem Album ähnliche Power-Songs wie „Little Talks“ erwartet, wird im Regen stehen gelassen. Das Album ist also eher poppig, und mit ihm beweisen die sechs, wie sagt man: flippigen? Jung-Erwachsenen, dass Island durchaus eine Talentschmiede ist. Mit dem Tempo, das sich ihre Landsmännin Emiliana Torrini in dem Song „Jungle Drum“ vor drei Jahren überraschend gestattete, können sie aber nicht mithalten; das wollen sie aber wohl auch nicht.

          So ist „My Head Is An Animal“, trotz der Zielstrebigkeit, die man dem Album nicht absprechen kann, 1A-Hintergrundmusik für diese verregneten Tage, ganz unabhängig vom Wärmegrad.

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