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CD der Woche : Maunz und Knödel

  • -Aktualisiert am

Hörporobe: „When The Devil''s Loose˝ Bild: Fat Possum Records

Was sollen wir mit der der siebenhundertdreiundvierzigsten Americana-Platte der Saison? Wer so fragt, hängt schon am listig ausgeworfenen Angelhaken von A.A. Bondy. „The Devil´s Loose“ ist die Platte, die Ryan Adams seit Jahren nicht macht.

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          Gleich im ersten Song ist der Teufel los. Allerdings nur textlich: „Somebody feels the knife / and somebody calls the cops“, singt Augeste Arthur Bondy, wie er mit vollem Namen heißt; doch die Musik dazu klingt zuckelnd und etwas verwaschen, ein bisschen wie unter Wasser aufgenommener Folkrock. Man hört das, und gerade als man sich fragt, was ausgerechnet an dieser siebenhundertdreiundvierzigsten Americana-Platte der Saison so besonders sein soll, ist man längst am Haken.

          „When The Devil's Loose“, Bondys zweite Solo-Platte nach Auflösung seiner Band Verbena, ist im Grunde die Platte, die Ryan Adams seit Jahren nicht hinbekommt: ein von der Düsternis der amerikanischen Seele besessenes Singer/Songwriteralbum, das den Song in den Vordergrund stellt - und nicht den Sänger. Dabei ist Bondy ein sehr guter, wenngleich tiefstapelnder, Vokalist, dessen Stimme irgendwo zwischen Adams' sehnsüchtigem Maunzen und Ron Sexsmith' gepresstem Knödeln angesiedelt ist. Aber er nutzt diese Stimme, um zu erzählen: finstere Geschichten, die er in poetische, elegante Texte gepackt hat.

          Es wird viel gestorben und gemordet in diesen Liedern, aber nicht so effekthascherisch und gruselwillig wie bei anderen Kollegen, sondern immer in schöner Unausweichlichkeit und Anmut - und manchmal auch nur allegorisch: „Marching in a slow parade/there are ashes where you lay“.
          Ein bisschen erinnert die Platte an die Sachen, die Bob Dylan Ende der Sechziger, nachdem er vom Motorrad gefallen war, mit und ohne The Band aufgenommen hat: einfach und beiläufig, aber vollgestellt mit Ideen; rätselhaft, aber nie angestrengt.

          Man kann Bondys Lieder auch als Folksongs mit Indierock-Gestus hören. In ihrer Reduktion aufs Wesentliche liegt ohnehin der Grund, warum dieser beeindruckenden Musik nichts etwas anhaben kann. Es ist klassische Troubadoursware mit Sinn für die Abgründigkeiten der Liebe und des Daseins. A.A. Bondys Songs sind in ihrer Einfachheit ungemein anrührend, doch wenn sie so richtig ans Herz gehen, ist da natürlich auch immer ein Messer im Spiel.

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