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CD der Woche: Malakai : Probiers mal mit Verschrobenheit

  • -Aktualisiert am

Hörprobe: „Snow flake” Bild: Cargo Records

So bunt wie ein Flohmarkt, so versponnen wie ein vedischer Meditationskurs: Auf „Ugly Side Of Love“, dem neuen Album des britischen Soundbastlers Malakai, tanzt die Vielfalt auf dem Tisch.

          1 Min.

          Was ist hier los? Gitarren galoppieren wie auf den Schaumkronen einer guten Surf-Welle, Monstertrommeln rumpeln, ein Seeungeheuer-Synthesizer fiept zwischen rückwärts abgespielten Schleifen, Vinylknistern und abgehakten Beats. Über allem liegt die Stimme eines Sängers, von dem man nicht recht weiß, ob er gerade aus einer Reggae- oder einer Acidrock-Band geflogen ist. Was soll das sein? Eine 1967 eingefrorene Psychedelic-Gruppe auf Tour durch die Karibik? Ein britisches Soundsystem im Blues-Rock-Wahn? Ein zauselbärtiger Höhlenchor auf Gomera, der zu scheppernden HipHop-Beats alter Schule die Leiber zucken lässt?

          Beginnen wir mit der Frühgeschichte dieses rätselhaften Sounds, denn schon die Ausgangssituation ist verführerisch: Portishead-Kopf Geoff Barrow protegiert einen jungen Bekloppten aus Bristol, der von der Plattenfirma mit dem Slogan „meet the B-boy Syd Barrett“ angepriesen wird. Eine Behauptung, die viel verspricht, aber in die Irre führt, denn der Mann, der sich nach dem hebräischen Wort für Engel „Malakai“ benennt, ist kein verrücktes Genie, allenfalls ein charmanter Spinner. Die Attitüde Malakais ist entschieden hippiesk, die Technik ist die des samplefreudigen Zusammenklaubers. Die Kombination gab es schon früher - man schlage etwa unter „Beck“ nach -, aber selten war das Ergebnis seither so packend und polternd.

          Verschrobene Vielfalt

          Mal klingt das Album, als habe ein weißer Rasta-Freak auf notdürftigem Gerät eine Neo-Sixties-Band produziert und des nachts in Abwesenheit der Musiker heimlich neue Gesangsspuren eingesungen. Dann wieder gewinnt man den Eindruck, Sly Stone habe in einem britischen Kellerstudio noch mal seine dollen dreißig Minuten gehabt. Beim Song „Snow Flake“ wiederum hört sich Malakai an, als sei Lenny Kravitz die Treppe heruntergefallen und habe sich böse den Kopf gestoßen. Die Vielfalt tanzt auf dem Tisch in diesen oft seltsam verschrobenen Songs. Malakai ist dabei jedoch so klug, seine Ideen nicht auszuwalzen, sondern alles in höchstens drei Minuten zu komprimieren.

          Auch wenn er womöglich nur seine ganz persönlichen Musikvorlieben ausleben wollte, führt Malakai vor, dass britische Alltagskultur ebenso sehr auf Reggae, Ska und indischem Essen basiert wie auf den Beatles, den Kinks und Monty Python. Das macht aus dieser Platte ein wenig mehr als nur eine große postmoderne Sause, wie man sie in den Neunzigern noch an jeder Ecke geboten bekam. „Ugly Side Of Love“ ist englischer Bastlerpop, so bunt wie ein Flohmarkt in Bristol. Und so verwegen wie ein DJ-Abend im Exzentriker-Pub.

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