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CD der Woche: Kate Bush : Ich zähle bis fünfzig

  • -Aktualisiert am

Hörprobe: „Snowed In At Wheeler Street" Bild: Fish People Records (EMI)

Sechs Jahre hat Kate Bush darüber gebrütet, wie viele Bedeutungen „Schnee“ hat; jetzt präsentiert sie, musikalisch ansprechend, die Lösung: sehr viele.

          4 Min.

          Kate Bush schaut sich in ihrem neuen Album „50 Words for Snow“ den Schnee an: in Paris, New York, London. In Neros Rom. In der Sierra Nevada am Lake Tahoe, in dem wie in Loch Ness ein Seeungeheuer hausen soll. Und im Himalaja. Verspult und komplex, typisch für Bush, „eine der einflussreichsten Künsterinnen aller Zeiten“, wie der „Observer“ einmal meinte, die auch schon die Kreiszahl Pi vertonte und sich musikalisch dem eigenen Tod näherte. Als Inspirationsquellen nennt sie Stanley Kubrick, Stephen King und den Entfesselungskünstler Houdini.

          Von früh an war Musik um sie, die in einem alten Bauernhaus mit einem großen Garten aufwuchs, mit viel Natur. Ihre Mutter liebte irischen Folk, ihre Brüder sind wie sie Dichter und Musiker. Sie selbst hatte schon früh Spaß an Satzkonstruktionen, ihr Lieblingsfach: Latein. Mit sechzehn verließ sie die Schule und nahm Tanz- und Pantomimestunden. Die konnte sie professionell fortsetzen, nachdem Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmore, ein entfernter Freund der Familie, ihr den Kontakt zum Plattenlabel EMI vermittelt hatte.

          Schnee, der auf Narben fällt

          Dabei entzog sie sich der Unterwerfung unter das Diktat der Plattenfirma und auslaugenden Tourneen. Kate Bush kontrolliert den Umgang mit ihren Werken sehr genau und hat ihre Autonomie auch durch den Aufbau eines eigenen Tonstudios gesichert. Ihr letztes Album, die Doppel-CD „Aerial“, produzierte sie in völliger Eigenregie in den Abbey-Road-Studios. Auf das Nachfolgealbum „50 Words for Snow“ mussten man sechs Jahre warten.

          Von Kälte und Liebe hatte Bush schon in ihrem ersten, ganz großen Hit erzählt, „Wuthering Heights“, das sich auf den Liebesroman von Emily Brontë bezieht. Das Musikvideo von damals startet mit einem Lichtbogen und Dopplungs-Effekten, man sieht Kate Bush im weißem Kleid, mit langem, dunkelbraunem Haar und Mittelscheitel. Und sie singt mit ihrer einzigartigen Stimme von der Liebe zwischen Heathcliff und Cathy. „Wie ein menschlicher Synthesizer“, schrieb die „Village Voice“ über die Vier-Oktaven-Stimme.

          Märchenhaft geht es zu in dem nun erscheinenden Konzeptalbum mit nur sieben Liedern in Überlänge. Schnee gefriert hier auf den Gesichtern der Liebenden, wenn diese sich zum Abschied am Bahnhof noch einmal küssen, und rieselt leise aufs Dach, auf einen Wintergarten mit Blick auf einen zugefrorenen See, auf dem der Wind die Flocken zu Tänzen aufwirbelt. Ein freundlicher Schnee also, einer zum Nachdenken, keiner, in dem man erfriert. Er legt sich auf die Narben, die die Liebe im Laufe der Zeit gerissen hat.

          Wie schon die Lamas wissen

          Das tanzbarste und zugleich sexyste, das Titelstück, ist Trip-Hop, mit einem Sprechgesang von Stephen Fry, dem Buchautor, Schauspieler und Textgenie. Bush zählt hoch bis fünfzig, sie hat die Zahlen, Fry den Schnee. Sie fordert ihn mehrmals auf weiterzumachen. Ein Schnee nach dem anderen, subjektiv, doch für die beiden funktioniert das. Ausgedachte Worte mit schönem Klang: „Whirlissimo“, „Vanilla Swarm“, „Hunters Dream“. Man kann sich die beiden als Liebende vorstellen, in ihrer eigenen Sprache sprechend. Verzögert dann das fünfzigste Wort für Schnee: „Schnee“. Es ist, was es ist.

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