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CD der Woche: Die neue Bob Dylan : Ich gehe so, wie ich gekommen bin

  • -Aktualisiert am

Dass Bob Dylan auf seiner neuen CD gewissermaßen ein Bad im Rio Grande nimmt, war dann doch nicht vorauszusehen. Der zweite Eindruck ist: zufriedenstellend. Doch es bleibt eine Spur von Ratlosigkeit angesichts von Dylans fortgeschriebenem Alterswerk. Die CD der Woche mit Hörprobe.

          4 Min.

          Der erste Eindruck ist: vielleicht etwas zu viel Akkordeon. Aber es wird nicht von Flaco Jiménez bedient, diesem wichtigen Rock-Akkordeon-Spieler, der 1976 auf Ry Cooders „Chicken Skin Music“ mitmachte und zuvor, 1973, schon auf der Platte „Doug Sahm And Band“, auf deren Cover man auch Bob Dylan sieht, gut versteckt natürlich, wie es seine Art ist, aber er spielt da wirklich mit. Dieses Album gilt immer noch als Meilenstein des Tex-Mex, und Doug Sahm, der vor zehn Jahren achtundfünfzigjährig starb und damit vom selben Jahrgang ist wie Dylan, als der wichtigste Vertreter dieses Stils, in dem Amerika/Texas und Mexiko zusammenfließen.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

          Dass Bob Dylan nun gewissermaßen ein Bad im Rio Grande nimmt, war nicht direkt vorauszusehen, aber sonderlich überraschend ist es auch nicht. Die Quetschkommode spielt David Hidalgo von den Los Lobos - eine interessante Personalie, denn es hätte näher gelegen, Garth Hudson von The Band zu fragen, aber der ist dazu vermutlich doch schon zu alt, und vielleicht hatte Dylan auch Angst, dass Hudson das Ganze dann zu sehr in Richtung Country-Folk getrieben und damit leichter ausrechenbar gemacht hätte.

          Lektionen über vergessene Stilformen

          Die zweite überraschende Personalie des neuen Albums ist Robert Hunter, einst fester freier Mitarbeiter bei den Grateful Dead und natürlich auch bei Dylan, der dem Meister nun beim Dichten unter die Arme greifen durfte oder musste.

          Bereit für eine Romanze in Durango: Bob Dylan gibt sich dem Tex-Mex hin
          Bereit für eine Romanze in Durango: Bob Dylan gibt sich dem Tex-Mex hin : Bild: Sony BMG

          „Together Through Life“ - dieser Titel passt nicht zu Dylan, er wirkt unnötig kumpelhaft, niemand nimmt ihm das ab, auch wenn er noch so viele nette Radiosendungen macht und seine Musik wildfremden Filmregisseuren zur Verfügung stellt. Mit wem wäre dieser Musiker durchs Leben gegangen? Doch nur mit sich selbst.

          Es wurde in der Vergangenheit allenthalben bemerkt, dass Dylan trotz seiner ungewöhnlich starken, ja, fast aufdringlichen Präsenz in Film, Funk und Fernsehen und neuerdings auch noch im Internet keineswegs transparenter oder gar zugänglich, zutraulich geworden ist. Im Gegenteil, er wirkt immer geheimniskrämerischer, weil jede menschliche oder künstlerische Regung vor allem unter dem Aspekt betrachtet wird, was wohl dahinterstecken könnte - als dürfte man nicht einfach so gute Rockmusik hören.
          Das neue Album quillt davon nicht gerade über, schon deswegen, weil es Rockmusik nur noch in einem erweiterten Sinne bietet, der jenseits von Stilbezeichnungen wie Tex-Mex und Cajun beziehungsweise Zydeco anzusiedeln ist. Natürlich unterhielt Dylan, der blasse Junge aus dem kalten Minnesota, der Folk-Superstar aus dem hippen Greenwich Village, schon immer gute Beziehungen zum Süden und Südwesten.

          Dann kommt der rauhe Shouter

          Hier setzt er seinen Kurs, der Mit- und Nachwelt Lektionen über vergessene Stilformen zu erteilen, unbeirrt fort, und zwar ohne die geringste Rücksicht auf popspezifische Bekömmlichkeit des Gereichten. Seit „Love And Theft“ hat dieses Vorgehen relativ klare stilistische Konturen: Dylans späte Liebe gehört eindeutig dem Country-Blues und Country-Swing mit allen möglichen Ober-, Unter- und Zwischentönen; es ist Musik, die es schon zur amerikanischen Depressionszeit, noch vor dem Rock'n'Roll, gab, in der seine Karriere unverrückbar feste Wurzeln geschlagen hat.

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