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CD der Woche: Delta Spirit : Selbst die Glocken bluten

  • -Aktualisiert am

Hörprobe: „Streetwalker“ Bild: Decca

Diese Band hat die Welt noch nicht gehört: Delta Spirit legen mit „Ode To Sunshine“ eine ganz und gar geglückte Platte vor - mit Überzeugung, Wärme und Inbrunst.

          4 Min.

          Nun hört mal gut zu, Ihr Beatles- und Beach-Boys-, Dylan- und Cash-, Kinks- und Stones-, Byrds- und Doors-, Neil-Young- und Jackson-Browne-, Van-Morrison- und Gerry-Rafferty-, Loudon-Wainwright- und Captain-Beefheart-, Velvet-Underground- und Creedence-Clearwater-Revival-Fans, kurz, Ihr Freunde des Wahren und Edlen, Guten und Schönen: Es gibt eine Band, die all dies in sich vereint und also einerseits eine quecksilbrig-schlaue, andererseits hymnisch-leidende Musik spielt, meistens im schnellen Wechsel, manchmal sogar auf einmal. Diese Band heißt Delta Spirit, und etwas Besseres als sie werdet Ihr so schnell nicht mehr hören - wenn überhaupt jemals wieder.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

          So könnte man nicht nur sagen; man muss es so sagen. Die Frage, wie fünf strubbelige Karoflanellhemdenträger aus San Diego dazu kommen, sich in das Gemeinplatzversatzstück der Rock- und Popkritik einzupassen, indem auch sie zunächst nicht viel mehr tun, als den Plattenschrank ihrer zu den Glanzzeiten der Obigen allerdings gerade erst geborenen Eltern zu plündern, ist schnell beantwortet: Der Plattenschrank war halt gut bestückt.

          Es rumpelt die Holzdiele

          „Als ich fünf war, zeigte mir meine Mutter eine LP von Janis Joplin und sagte: ,Wenn du schon singst, dann sing so!‘“ Matthew Vasquez muss eine Mutter mit aparten Geschmacksknospen haben, denn als er fünf war, so Mitte, Ende der achtziger Jahre, waren selbst im amerikanischen Südwesten Janis-Joplin-Platten so ziemlich das Letzte, was einer auflegte. Diese Schule hat ihm nicht geschadet, auch wenn man für seinen Stil treffendere Referenzen findet als eine texanische Southern-Comfort-Säuferin. Sein Gesang entbehrt des aufdringlich Bluesig-Verruchten, er macht eher mit einem kratzig-puerilen Ausdruck Eindruck. Matthew Vasquez verfügt über ein Organ, das der Delta-Spirit-Musik eine Note verleiht, die man blumig nennen muss - Musik von Rotweintrinkern, aber nicht unbedingt für solche.

          Dieses ist nicht das erste Meisterwerk, das in einem Fehlstart auf die Welt losgelassen wurde. Die Band hatte nach ihrer Kurzplatte „I Think I've Found It“ von 2007 noch im selben Jahr in den bewaldeten Hügeln Südkaliforniens ein richtiges Album eingespielt und auch selbst produziert. Das nahmen sie mit auf Tournee. Und dass dabei, ganz ohne Vertrieb, siebentausend Exemplare weggingen, mochte noch nicht für eine goldene Schallplatte reichen, deutet aber an, wie gut diese Konzerte gewesen sein müssen. Der Durchbruch blieb vermutlich nur deswegen aus, weil es von roots music, die auch Delta Spirit am Ende nur machen, schon genug gibt - man sehe sich bloß mal um bei Lost Highway Records. Aber keine Band spielt diese Musik so wie diese: rumpelnd-holzdielenwarm, elegisch und mit einer Prise Garagen- beziehungsweise Independenthaftigkeit, ohne die es heute nun einmal nicht mehr geht, die hier aber nicht berechnend oder anbiedernd wirkt.

          Späte Wirkung

          Deswegen setzte die Wirkung auch erst mit Verzögerung ein. Angelockt von dem Ruhm, der sich wie goldener, sämiger Honig ausbreitete, trat das Label Rounder Records auf den Plan, die ideale Heimstatt für eine Band wie diese, mit reichlich Stallgeruch und Tradition. Im vergangenen Herbst und erweitert um ein Lied von dem Kurzalbum, kam die Platte in Amerika zum zweiten Mal heraus, jetzt endlich auch in Europa. In der Zwischenzeit ist es der Band, auch mit zwei Deutschland-Konzerten Anfang April, gelungen, ihren Geheimtippstatus zu festigen, wobei bedauerlich war, dass mangels eines größeren Repertoires keine Zugaben gegeben wurden. Das muss anders werden. Wie man hört, arbeiten die Musiker schon am nächsten Album.

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