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CD der Woche : Das wiedergewonnene Imperium

  • -Aktualisiert am

Hörprobe: „Power˝ Bild: Def Kam/Universal

Selbst eine Rüge von Präsident Obama kann ihn nicht aufhalten: Kanye West zeigt auf seinem neuen Album Zähne und präsentiert sich als gierigster Messias des Hip-Hop-Finanztums.

          „Gier“, sagt Gordon Gekko im ersten „Wallstreet“-Film „ist gut. Gier ist richtig. Gier funktioniert.“ Und in der jüngst erschienenen Fortsetzung fügt er an: „Jetzt scheint sie sogar legal zu sein.“ Kanye West hat mit „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ gerade den Soundtrack für diese Geisteshaltung geschrieben - verschwenderisch, raffgierig, pompös und egoman; trotzdem gnadenlos analytisch, verdichtet und dazu auch noch überbordend gefühlvoll. Es dürfte das Album des Jahres sein. Alles andere wäre für den vierzehnfachen Grammy-Gewinner auch einer Schmach gleichgekommen.

          Kommerzieller amerikanischer Hip-Hop repräsentiert den Kapitalismus in absoluter Reinheit. Wer sich darüber von der vermeintlich rebellischen Attitüde (vor allem in der Gangsta-Variante) hinwegtäuschen lässt, erfasst die gewaltige Kraft der Musik nur zur Hälfte. Das beginnt beim amerikanischen Traum: Das Motiv des Tellerwäschers, der mit harter Arbeit, Skrupellosigkeit oder notfalls eben auch Gewalt zum Millionär wird, bestimmt viele wichtigen Werke und Biographien. Album- und Songtitel wie „Get Rich Or Die Tryin'“ (50 Cent), „Moneymaker“ (Ludacris feat. Pharrell) oder „Kingdom Come“ (Jay-Z) sprechen für sich. Aber auch die Welt der Finanzspekulationen findet sich in der Musik wieder. Wenn Produzenten fremde Songs samplen, ihnen also Elemente entnehmen und sie eigenen Stücken, gewinnbringend kombiniert, einverleiben, ist das nicht weit weg vom Börsianer, der seinem Portfolio Aktienanteile lukrativer Unternehmen hinzufügt.

          Er wirkt wie ein Adelsvertreter unter Neureichen

          Wohl auch, weil er nicht aus dem Getto, sondern aus der amerikanischen Mittelschicht stammt, nimmt Kanye West im Reigen derartiger Exzesse einen Sonderplatz ein. Der Dreiunddreißigjährige ist inzwischen der Dandy unter den Rappern. In seinen maßgeschneiderten Anzügen wirkt er mittlerweile wie ein Adelsvertreter unter Neureichen. Auch sein Werk folgt diesem Prinzip. Sein Ton ist der eines Menschen, der die Glitzerwelt mehr nolens volens kennen gelernt hat und sich nicht mit Gewalt Zutritt verschaffen musste. Sein gewaltiges Ego entspringt dieser entrückten Position, von der aus er die Dinge überblickt und in der Single „Power“ rappt: „I'm livin' in the 21st century, doin' something mean to it/Do it better than anybody you ever seen do it/Screams from the haters, got a nice ring to it/I guess every superhero need his theme music.“ Der Superheld, für den die Titelmusik erklingen soll, ist West selbst. Er ist Idealtypus, Kritiker und Protagonist der kapitalistischen Rap-Welt, der Gordon Gekko des Hip Hop.

          Und wie der Finanzhai zu Beginn von „Wallstreet 2“, auf den nach der Haftentlassung keiner wartet (nicht zufällig holt die Stretch-Limousine vor der Gefängnispforte nicht ihn, sondern einen Gangsta-Rapper ab), war auch der MC ein geschlagener Mann, als er sein neues Werk produzierte. Der Vorgänger „808s & Heartbreak“ war in der Verarbeitung privater Tragödien zwar ein inhaltlich durchaus starkes Album, lief jedoch in seiner Ästhetik so sehr einem Trend hinterher, dass West drohte, seine herausragende Position als wegweisender Produzent und Klangneuerer zu verlieren.

          Präsident Obama nannte ihn einen Volltrottel

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