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CD der Woche: „21“ von Adele : Den Regen befeuern

  • -Aktualisiert am

Hörprobe: „Rolling In The Deep” Bild: XL/Beggars Group

Mit einundzwanzig war man früher volljährig. Adele hat über dieses Alter ein ganzes Album gemacht, das in jeder Hinsicht erwachsen klingt. Was soll da noch kommen? „21“ ist jetzt schon die Mainstream-Platte des Jahres.

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          Wenn es um Adele Adkins geht, gerät Manches durcheinander. 2009, mit neunzehn, gewann sie zwei Grammys, sie hatte mit „Chasing Pavements“ einen weltweiten Hit, ihr 2007 erschienenes Debüt „19“ verkaufte sich mehr als zwei Millionen mal. Dennoch behauptet in einem Youtube-Clip ein Kommentator, dass es eine Schande sei, dass Britney Spears und nicht Adele echter Massenerfolg beschieden ist - als gälte es, Holz gegen Plastik zu verteidigen. Die Sängerin selbst sagt jetzt in einem Interview, sie sei kein „debiles Modepüppchen“.

          Es ist rätselhaft, was diese bereitwillig aufgegriffene Abgrenzung soll: Die meisten erfolgreichen Sängerinnen der letzten Jahre - Amy Winehouse, Lady Gaga oder Rihanna - sind alles, nur keine Marionetten der Industrie, und die Vorstellung, ahnungslose junge Sängerinnen bekämen ihre Kleiderordnung unter Betäubungsmitteleinfluss von Managern mit Scientology-Hintergrund aufgezwängt, wirkt doch etwas altertümlich. Das eigentlich Bedauerliche an dem Kult ums vermeintlich Echte und Unbeugsame ist, dass der Blick darauf verstellt wird, was man an Adeles zweitem Werk „21“ wirklich hat: das nahezu makellose Mainstream-Pop-Album einer jungen Frau, die scheinbar anstrengungslos im Hier und Jetzt popmusikalische Traditionen spiegelt. Es braucht ein bisschen Zeit, das zu bemerken. Aber dann stellt man fest, wie lange es so etwas nicht gab: eine kommerzielle, in sich geschlossene Platte, die sich zwar klar im songorientierten blue eyed R&B verortet, aber für nahezu jedermann zugänglich bleibt. Klingt gruselig, ist aber großartig!

          Einer verkorksten Beziehung hinterhergemaunzt

          Auf „21“ (das natürlich so heißt, weil Adele zum Produktionszeitpunkt so alt war), gelingt ihr alles - umso erstaunlicher, als dieses Album leicht unter dem Einfluss der zahlreichen Beteiligten hätte ersticken können: In den meisten Artikeln zur Platte wird der Eindruck erweckt, Rick Rubin habe über die gesamte Produktion gewacht. Tatsächlich zeichnet Rubin für vier Stücke mitverantwortlich; insgesamt arbeiteten sechs Produzenten an dem Album. Dass es dennoch klingt wie aus einem Guss, ist Adeles Verdienst. Schon das Auftaktstück „Rolling in the Deep“, begeistert - vorausgesetzt natürlich, man bringt eine Grundsympathie für gediegene Charts-Ware mit. Die Strophe wird nur von einer Akustikgitarre und der Kickdrum getragen, einzige Verzierung im Refrain sind die spleenigen Frauenchöre, die noch öfter auf dem Album auftauchen werden. Es ist der erste von mehreren Songs, in denen Adele einer verkorksten Beziehung hinterhermaunzt.

          Noch besser ist „Rumour Has it“: Hier reicht ihr fast der reine Rhythmus; das Stück, beinah die moderne Variante eines spleenigen Delta-Stampfers von Bobbie Gentry, besteht fast nur aus einem programmierten Beat, Bass, Handclaps und einem irren Chor. Von da an geht es merklich ruhiger zu: „Don't You Remember“ ist eine wahre Herzschmerz-Kathedrale, ein Lied, von dem man sich nur wünschen kann, dass es nie läuft, wenn man gerade gebrochenen Herzens vergangenen Glückstagen nachhängt - oder gerade dann. „Set Fire to the Rain“ wiederum ist ein mit sündhaft üppigen Streichern überzuckerter Popsong, den noch viele versuchen werden zu singen, auf Karaokebühnen und Cover-Alben, in Casting-Shows und Duschkabinen - ein Klassiker.

          Eine Stimme, die viel kann und es auch zeigt, die aber nie zu viel macht

          Es folgen karger Funk („He Won't Go“), Pop-Gospel („Take It All“) und Piano-getriebener Soul („I'll Be Waiting“). Das Cure-Cover „Lovesong“ wäre nicht unbedingt nötig gewesen, dafür schlägt uns am Schluss das nur zum Klavier gesungene „Someone Like You“ noch einmal windelweich: „Nevermind I'll find somebody like you“, singt Adele so nah am Kitsch, dass es so richtig schön zwickt.
          Man kann sich hier von vielem begeistern lassen: etwa davon, wie Chorstimmen oft ähnlich wie Samples eingesetzt werden. Oder davon, wie leergefegt die Arrangements teilweise sind und wie viel Wucht die Songs gerade dadurch entfalten. Man kann sich darüber freuen, dass Adeles Stücke nicht - wie so oft bei Brit-Soul-Mädchen - in Richtung Sixties-Pastiche gleiten, sondern bei allem Geschichtsbewusstsein absolut jetzig sind. Vor allem aber kann man sich über diese wirklich beeindruckende weiße Soulstimme freuen. Viele singen ähnlich, aber keine andere weibliche Stimme hat Adeles Melancholie. Es ist eine Stimme, die soviel kann und es auch zeigt, die aber nie zu viel macht.

          Das Jahr fängt gerade erst an, aber es fällt schwer sich vorzustellen, dass in den nächsten elf Monaten noch ein weiteres Mainstream-Album dieser Güteklasse erscheinen könnte. Wer soviel kann wie Adele, hat es nicht nötig, sich gegen irgendwelche Modepüppchen abzugrenzen.

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