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CD der Woche: „13“ von Black Sabbath : Hier kommt die Mollabfuhr

Hörprobe: „God Is Dead“ Bild: Universal

Fieser als drei Wagner-Jahre hintereinander: Das Album „13“ von Black Sabbath achtet die Gegenwart gering - und gewinnt deshalb Vergangenheit und Zukunft. Munterste Mumien hauen rein.

          4 Min.

          Wenn Ozzy Osbourne singt, klingt das, je älter, derangierter und desolater dieser in faltige Menschenhaut eingenähte, ausgetrocknete Molch wird, immer deutlicher so, als geschähe es mit weit aufgerissenen Augen, weil er darüber staunen muss, dass er zwar längst tot ist, aber immer noch quäkt und quengelt. Mascara und Bitternis rinnen seine eingefallenen Wangen herunter. Er leckt sich’s von den Lippen. Es schmeckt nach Schlangenblut und abgestandenem Fegefeuer.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          „13“ ist, damit die Mathematik sich aufregt, nicht die dreizehnte, sondern eher die neunzehnte oder zwanzigste oder sonstwievielte Studioplatte der Heavy-Metal-Band Black Sabbath - es kommt für die richtige Zählung ganz darauf an, welche Zusammenstellungen von Personen man „Black Sabbath“ nennen möchte (dazu später).

          Das Ding erscheint heute auf sogenannten Märkten, die sich in Zeiten von Spotify und iTunes selbst kaum noch ernst nehmen. Der Werbeaufwand, den der Unterhaltungskonzern Universal vorab in die Atmosphäre gepustet hat, ist von lächerlich weltfremden Dimensionen. Der berühmte Produzent Rick Rubin hat die Platte, stinkfaul und überbezahlt, wie er als Genie naturgemäß ist, ohne Hast mit Löschpapier kratzig gebürstet, bis man vom bloßen Nebenherhinhören schon Lungenentzündung kriegt.

          Dank des Gitarristen an die moderne Medizin

          Frohlocket: Es ist tatsächlich ein Album geworden. Das heißt, „13“ bietet einen dramatischen Bogen, der von der teerschokoladenschwarzen Eröffnungsnummer „End of The Beginning“ bis zum eckigen Stampfbraten-Finale „Dear Father“ unter einer Spannung steht, die man in Erweiterung von Sigmund Freuds „Unbehagen in der Kultur“ wohl ein „Unbehagen im Universum“ nennen darf: „The cat-e-chism of an eeevil messiah.“

          Ein Album? Wie in: Liederkranz? Rock-Roman? Leute über sechzig sind wahrscheinlich die Allerletzten, die noch wissen, wie das geht - und dass man sich, damit es funktioniert, zwischendurch auch mal für ein paar verplemperte Minuten langweilen muss (dabei hilft hier ein verkochter und zerlaufener Sumpfkadaver aus gezupfter Unentschlossenheit und Eurhythmie-Klopfzeichen namens „Zeitgeist“ - na gut, die verblödeten Smashing Pumpkins haben ja auch mal eines ihrer Erzeugnisse so genannt, passt schon).

          Der Gitarrist Tony Iommi bedankt sich im Beiheft bei der modernen Medizin. Er ist seit einiger Zeit krank und hätte ohne Sanitäter die Aufnahmen zu „13“ nicht durchstehen können - umso liebenswerter, dass seine Gitarrensoli, am schönsten auf dem kompositorisch zwischen Schweben, Abstürzen und schwindelinduzierender Spiralbewegung vollendet ausbalancierten Stück „Live Forever“, auch heute noch gelegentlich diesen kleinen kniffligen Metallpuzzles aus zwei ineinander verhakten krummen Miniskulpturen ähneln, die man mit Verstand und festen Fingernägeln irgendwie auseinanderkriegen muss - nur dass Iommi sie stattdessen immer auswegloser ineinanderdreht und dann irgendwann desinteressiert fallenlässt, klonk, vorbei. Teuflisch.

          Lieber Satan als Scientology

          Anders als 67 Prozent aller schlechten Kinofilme und etwa die Hälfte der gebräuchlichen Haushaltsreiniger enthält diese Platte keine hypnotischen Mitteilungen der Scientology-Sekte. Für Scientology ist diese Band nämlich zu alt und zu dumm; die bleibt lieber bei ihrem Satan. Der hat ihr ungefähr 1969 erzählt, dass die Moll-Tonfamilie die wichtigste Errungenschaft der abendländischen Verdrusskunst ist.

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