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Album der Woche : Mein kleiner Vogel und ich

  • -Aktualisiert am

„I’m Going Down“ aus dem Album „Dogs and Men“ von Sophie Auster Bild: Zac Sebastian

Sophie Auster, die Tochter des Schriftstellerpaars Paul Auster und Siri Hustvedt, probiert auf ihrem Album „Dogs and Men“ so ziemlich alle Musikstile einmal durch. Doch ihren eigenen muss sie noch finden.

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          Die dünnflüssige Funk-Gitarre, mit der dieses Album einsetzt, katapultiert einen direkt in die späten achtziger Jahre und zu einer heute etwas in Vergessenheit geratenen Band: nämlich zu INXS und ihrem Lied „New Sensation“. Aber im Unterschied dazu hebt hier kein Michael Hutchence druckvoll zu singen an („Live, Baby, live!“, Gott habe ihn selig), sondern nur eine etwas dünne Frauenstimme.

          Jan Wiele
          Redakteur im Feuilleton.

          Die behauptet zwar immer wieder „I'm gonna get you, boy“, aber so richtig glaubt man ihr das nicht. Es fehlt der Wumms. Und die Eifersuchtsbotschaft „Nobody loves you like I do“ hat man auch woanders schon überzeugender gehört, nämlich fast gleichtlautend in Melissa Etheridges musikalischem Wutanfall „Like the Way I Do“.

          Im Musikvideo zu dem beschriebenen Lied namens „Bad Manners“ gefällt sich Sophie Auster beim Durchprobieren von verrückten Rollen mit zerlaufenem Make-Up, Perücken und Schnurrbärten. Das wirkt wie eine Metapher für das ganze Album: Denn auf „Dogs and Men“ probiert sie Musikstile durch wie Kleider, ohne sich für einen entscheiden zu können. Vom kühlen Funk des Openers wechselt sie über den wuchtig stampfenden Rock bei „On My Way“ zum balladenhaften Gesang des Klagelieds „I'm going Down“ - wie man sieht, sind auch die Liedtitel nicht gerade die originellsten.

          Der klagende Gesang immerhin passt schon besser zur Stimme der 1987 in New York geborenen Tochter des Schriftstellerpaares Paul Auster und Siri Hustvedt: Bei dem Song „My Little Bird“ kommt sie am ehesten zu einem Ausdruck, der ihrem Timbre entspricht – so ähnlich klang sie auch auf ihrem frühen Debüt von 2006, auf dem sie mitunter Texte von französischen Surrealisten in der Bearbeitung ihres Vaters gesungen hatte.

          Aber von einem eigenen Stil möchte man noch nicht reden, zumal das musikalische Potpourri der nächsten Lieder diesen Eindruck auch gleich wieder vergessen macht: Da klingt plötzlich eine Nummer nach Rhythm & Blues („Our Mistake“) und fährt dazu auch bluesige Blechbläser auf, aber die Sängerin singt, warum auch immer, wie im zuckrigen Mainstream-Country jeden zweiten Ton schmierig von unten an.

          Ein Albumcharakter kommt so einfach nicht zustande, dafür müsste sich Sophie Auster schon entscheiden, ob sie jetzt  Tammy Wynette oder Tori Amos sein möchte – oder am besten einfach sie selbst. Solange sie das nicht tut, muss der Marketing-Satz „Leute denen das gefällt, hörten auch ...“ etwas umformuliert werden, hier sollte es richtiger heißen: „Leuten, denen das gefällt, könnte die Musik von Fiona Apple, Lhasa oder Heather Nova noch besser gefallen.“

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