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Album der Woche : Guck mal, was das Licht jetzt macht

  • -Aktualisiert am

Frühe Siebziger? Nein: Matthew E. White und Flo Morrissey heute. Bild: Caroline

Schon wieder ein Geniestreich des Musikers und Produzenten Matthew E. White: Auf „Gentlewoman, Ruby Man“ bringt er die Sängerin Flo Morrissey zum Glänzen und lehnt sich selbst zurück.

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          Man könnte fast denken, Matthew E. White besäße einen geheimen Zauber, mit dem er gute Sängerinnen in seine Höhle lockt. Aber das Lockmittel des musikalischen Tausendsassas aus Richmond in Virginia liegt offen zutage: Man kann es auf den beiden meisterhaften Alben „Big Inner“ (2012) und Fresh Blood“ (2015) ebenso hören wie auf dem von ihm produzierten Debüt von Natalie Prass, das auch 2015 erschien.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Höhle, in der er sein Retrosound-Süppchen kocht, nennt sich Spacebomb-Studio, und dieses mit einer Hausband ausgestattete Aufnahmeparadies ist schon zu einem klanglichen Markenzeichen geworden. Die schwelgerische, ein bisschen hippiehafte junge britische Sängerin Flo Morrissey hatte White bei einem Konzert zu Ehren Lee Hazelwoods in London kennenglernt, wo die beiden dessen Song „Some Velvet Morning“ zusammen sangen. Daraufhin blieben sie in Kontakt, bis er Morrissey schließlich nach Virginia einlud.

          Man hätte nun erwarten können, dass da Neo-Soul auf Neo-Folk getroffen ist, aber tatsächlich ist das Ergebnis noch überraschender als diese ohnehin schon reizvolle Mischung. Über einem extrem leicht federnden Tanzgroove klingt Flo Morrisseys hoher Sopran beim Eröffnungsstück „Look at What the Light Did Now“ fast ein bisschen wie die Kinderstimmen der Jackson Five. An sprachspielerische Kinderreime erinnert auch der Text dieses Songs: „Hear it like a pounce upon a peak, oh / Look at what the light did now / Bear it like a bounce upon the beak, oh / Look at what the light did now“. Aber das Stück, das in der Originalversion von Kyle Field (alias Little Wings) eher noch wie eine Demo-Aufnahme klang, entfaltet hier mit Whites Band- und Studiosound erst so recht sein Potenzial (auch wenn man nicht verhehlen sollte, dass es davon auch schon eine wiederum ganz andere, schöne akustische Duettversion von Little Wings mit der Sängerin Feist gibt).

          Dann allerdings wird es noch besser: Dass der Song „Grease“ aus dem gleichnamigen Film mit John Travolta und Olivia Newton-John einmal so laid back klingen könnte, wie White und Morrissey ihn interpretieren, hätte man nicht gedacht, und was sie aus Frank Oceans „Thinking about You“ machen ist schlicht genial: Sie geben dem im Original fast steril klingenden Stück das Herz, das es verlangt.

          Natürlich ist White als Produzent und Arrangeur auch ein geschickter Dieb: Vom flächigen Space-Sound des stilbildeden französischen Popduos Air und den in dessen Nachfolge stehenden Beach House schneidet er so manches Scheibchen ab. Da nimmt es auch nicht wunder, dass das Duo aus White und Morrissey am Ende noch ein Lied von Charlotte Gainsbourg covern, die ja ihrerseits mit den Air-Klangkünstlern als Produzenten zusammengearbeitet hatte: „Heaven Can Wait“.

          Einzig die Coverversion von Leonard Cohens „Suzanne“ ist dann doch arg gewöhnungsbedürftig, aber an Cohen-Covers sind ja schon viele gescheitert. Das mindert nicht die Leistung, mit der White hier seine Sängerin zum Glänzen bringt und sich selbst zurücklehnt. Auch der äußere Eindruck der beiden zusammen ist kurios: Sie haben etwa die gleiche Frisur, könnten gut auch schon in den frühen Siebzigern so ausgesehen haben. Dazu passt, dass sie dann auch noch Songs von den Velvet Underground oder dem Jazz-Funker Roy Ayers in Angriff nehmen. Auch die scheinen nicht zu groß für sie.

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