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Album der Woche : Du musst nur das Zupfmuster finden

  • -Aktualisiert am

Hörprobe: „Schwerkraft und Obst“ Bild: Indigo

Die Songs von Wolfgang Müller strahlen eine Ruhe aus, die für deutschsprachige Popmusik außergewöhnlich ist. Wo das lyrische Ich hadert, klingt der Sänger felsenfest, auch auf dem neuen Album „Auf die Welt“.

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          Sein Name ist nicht gerade ein Alleinstellungsmerkmal: Da hat Wolfgang Müller es schon deutlich schwerer, aufzufallen als, sagen wir, Pippilotti Rist oder Conchita Wurst. Aber das Unprätentiöse an diesem Namen passt gut zu seiner Art zu singen: Sie klingt so natürlich wie gesprochene Sprache. Jeder allerdings, der weiß, was es gerade beim Singen auf Deutsch für furchtbare Versuche der Phrasierung und Intonation gibt, weiß auch, dass genau dieses natürliche und unprätentiöse Singen eine große Kunst ist.

          Jan Wiele
          Redakteur im Feuilleton.

          Die hat der 1975 geborene Singer/Songwriter schon auf seinem Album „Über die Unruhe“ (2012) so ziemlich zur Perfektion gebracht, dessen Titel im ironischen Gegensatz zur Musik steht: Denn eine ausgeruhtere Produktion hat man wohl selten gehört. Lieder wie „Auf die Füße“ oder „Unter freiem Himmel“ strahlen, während das lyrische Ich den elegischen Ton der vermischten Empfindung pflegt, sehr deutlich aus, dass der Sänger mit beiden Füßen auf dem Boden steht.

          Das liegt auch mit daran (und dies ist schon die zweite große Kunst), dass Müller ein bestimmtes Anschlagmuster auf der Gitarre gefunden hat, welches sich wie eine Signatur durch seine Lieder zieht - sie sind in gewisser Weise Vergleichbar mit den Songs von Jack Johnson, die man an einem solchen Muster ebenfalls gleich erkennt.

          An diesen Signatursound knüpft Müller mit seinem neuen Werk nahtlos an: Es könnte mit „Über die Unruhe“ fast ein Doppelalbum bilden. So ruhig, wie die Musik dahinfließt, bemerkt man allerdings manchmal gar nicht, dass der Lieddichter diesmal etwas kryptischere Sprachbilder gewählt hat: Da hat etwa ein „angstkranker Sprengmeister von endlosen Sonntagen / listig die Lunte in die Woche gelegt“, ein anderer Song entdeckt den „inneren Goldfisch“ im Menschen.

          „Auf die Welt“ heißt diese Platte, und auch da kann nicht sicher sein: Ist das nun ein Trinkspruch oder soll es eher heißen: auf sie mit Gebrüll? Dass da jemand strampelt, viel zergliedert und mit der Welt hadert, verhindert allerdings nicht, dass er sie manchmal auch auf die leichte Schulter oder auf die Schippe nimmt. Wie schön, dass in der Fingerpicking-Tradition eines Wader, Degenhardt oder Mey auch heute noch ab und zu neue Liedermacher auftauchen, die sie umkrempeln und ganz neu prägen.

          Wolfgang Müller mag einen Allerweltsnamen tragen - ein Grund mehr, sich genau diesen Wolfgang Müller dringend zu merken. Woran man ihn erkennt? Sagen wir einfach, es ist der Wolfgang Müller, der sein Zupfmuster gefunden hat.

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