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Album der Woche : Und hätte die Liebe nicht

  • -Aktualisiert am

Gefühle am Abgrund: José James Bild: Universal Music

Eigentlich wollte José James ein Album über die drängenden Gesellschaftsprobleme in den Vereinigten Staaten machen. Doch das wurde so deprimierend, dass er sich nun erstmal voll auf das Hauptthema des Soul konzentriert.

          Vielen gilt er als Jazzsänger, doch das ist ein Etikett, mit dem er sich noch nie anfreunden konnte. Diesmal präsentiert sich José James, der zuletzt mit der puristischen Billie-Holiday-Hommage „Yesterday I Had The Blues“ und dem brachial-rockigen Album „While You Were Sleeping“ hervorgetreten war, als futuristischer Soul-Crooner. „Love In A Time Of Madness“ scheint dabei schon vom Titel her auf den neuen amerikanischen Präsidenten und den gesellschaftlichen Irrsinn, der in den Vereinigten Staaten unter anderem die „Black Lives Matter“-Bewegung hervorgebracht hat, zu reagieren - doch inhaltlich konzentriert sich James ganz auf die Liebe.

          Ursprünglich war die Platte als Doppelalbum geplant, doch die Songs, die sich mit den gesellschaftlichen Zuständen in Amerika beschäftigten, nahmen so deprimierende Formen an, dass James beschloss, sich allein auf die Liebesthematik zu beschränken.

          Rosarot sind die zwölf Lieder trotzdem nicht ausgefallen. James, der zur Zeit Single ist, spart die dunklen Momente nicht aus. Schroffe elektronische Klangwände bilden die Folie, auf der in „What Good Is Love“ darüber nachgedacht wird, wie es einem passieren kann, sich an die falsche Person zu binden. Düstere Klangschwaden wabern durch den Hintergrund von „You Know I Know“, das ansonsten von knatternden, elektronisch erzeugten Trommelschlägen dominiert wird und in dem James mit seinem betörenden Bariton seiner Partnerin immer wieder „we share a dirty secret“ versichert. Die Kombination aus der futuristischen Instrumentierung, die James sich bei zeitgenössischen Künstlern wie Drake, Grimes oder FKA Twigs abgeguckt hat, mit dem tief emotionalen Gesang und den einschmeichelnden Melodien, macht dann auch einen großen Teil des Reizes von „Love In A Time Of Madness“ aus. Ein beinahe schon avantgardistischer Track wie „Closer“, bei dem die digitalen Rhythmen willkürlich zerhackt werden und unheimliche Synthesizer-Töne ihre Kreise ziehen, ist sicher eine Herausforderung, bleibt aber keine leere Stilübung, sondern funktioniert als Facette einer Platte, die auch ganz andere Töne kennt.

          Jubelspiralen

          Denn natürlich hat José James auch ganz wunderbar eingängige Zuckerstücke auf „Love In A Time Of Madness“ untergebracht. Gleich das Auftaktlied „Always There“ feiert eine unerschütterliche Romanze. Hier steigert sich die zu Beginn kühle Elektronik im Refrain in euphorische Jubelspiralen, während José James per Mehrspurverfahren mit sich selbst um die Wette singt. Eine schlichte Gitarre und eine Handtrommel bilden den akustischen Rahmen von „Let It Fall“, in dem James sich im Duett mit seinem Gast Mali Music mit seinem Single-Dasein auseinandersetzt.

          Nicht vergessen hat der Wahl-New-Yorker außerdem, dass er in Minneapolis aufgewachsen ist. Mit den Songs „Live Your Fantasy“ und „Ladies Man“ leistet der Sänger nicht nur seinen Tribut an Prince ab, es gelingt ihm auch, dessen Sound, der ja schon immer von innovativer Kraft geprägt war, in die Gegenwart zu holen. Und ganz zum Schluss hebt José James dann endgültig in ganz andere, fast schon traditionelle Sphären ab. „I’m Yours“ heißt die elegante Ballade, zu der sich der Sänger eine ganz besondere Duettpartnerin ins Studio gebeten hat.

          Die Soul-Diva Oleta Adams, die einst mit den britischen New-Wave-Poppern von Tears For Fears ihren Durchbruch erlebt hat, verleiht der Nummer mit ihrer Gospelstimme gleichzeitig Bodenhaftung und himmlische Kräfte.

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