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Album der Woche : Im Zeichen des liegenden Schachkönigs

  • -Aktualisiert am

Hörprobe: „Love Is Not Control“ Bild: X-tra Mile Recordings

God save the King: Auf dem zweiten Album der britischen Band To Kill A King spielen sich alt und neu gegenseitig aus. Gitarrenrock kann also wieder modern klingen, ohne dass er seine Anfänge vergisst.

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          Man kann davon ausgehen, dass eine aufreibende Partie Schach meist länger dauert als 39 Minuten. Doch auch in so einer kurzen Zeit kann viel passieren. So ist es auch mit dem neuen, selbstbetitelten Album der Band „To Kill A King“, das mit elf Songs elf abwechslungsreiche Züge macht, bis am Ende der Tonträgerkönig fällt. Die Band steht im Zeichen des liegenden Schachkönigs, die Thematik zieht sich auch auf dem Albumcover durch: Es zeigt ein Schwarz-Weiß-Bild einer Schachpartie, bei dem man zwei Mal hinsehen muss, um zu bemerken, was mit der Fotografie nicht stimmt.

          Das Bild ist in der Mitte gespiegelt, die meisten Figuren stehen schon am Rand des Bretts, ein Greis mit langen Haaren spielt gegen sein jüngeres Ich. Die Hand stützt das Kinn beim Nachdenken. Das Coverartwork passt gut zur Musik: Auch sie spielt Altes gegen Neues aus, mal statisch, mal dynamisch.

          Die wechselnden Protagonisten im Machtspiel der Instrumente geben jedem Song eine eigene Prägung: Mal trägt das Treiben der Akustik-Gitarre durch ein Lied, mal sind die Melodien und Akkordwechsel der verzerrten E-Gitarre im Zentrum und mal zeichnet sich die Allianz aus Schlagzeug und Bass als dominierendes Element heraus. „To Kill A King“ greifen auf Indierock-, Folk- und Singer/Songwriter-Elemente zurück, denen sie erst einmal den Staub abgeblasen haben, um sie von Song zu Song neu zusammenzusetzen. Herausgekommen ist moderne Gitarrenmusik, die sich nicht scheut, sich auch mit Synthesizern oder Blasinstrumenten zu schmücken, wenn es sich ziemt.

          Gespräche über Dylan und andere Helden

          Die mittlerweile in London ansässige Band besteht derzeit aus Ralph Pelleymounter (Gesang und Akustikgitarre), Peter Hakola (Bass), Josh Taffel (Schlagzeug), Grant McNeill (E-Gitarre) und Ben Jackson (Synthesizer und Tasteninstrumente). Gegründet haben sich To Kill A King in Leeds, wo sich Pelleymounter und  der ehemalige Bassist und Cellist Josh Platman der Band auf dem Universitätscampus kennenlernten. Nach Gesprächen über Bob Dylan und ihre anderen musikalischen Helden kam es bald zum gemeinsamen Musizieren. Pelleymounter zufolge dauerte es nur wenige Minuten, bis er merkte, dass er mit Platman eine Band gründen werde - diese hieß zunächst Kid iD. Nach dem Umzug in die britische Hauptstadt änderte sich allerdings die Besetzung und fand sich der neue Name.

          Der sehr britische Sound und das sanftweiche Reibeisen in Pelleymounters Stimme sorgten für Vergleiche mit Bands wie Mumford & Sons, doch schaffen es To Kill A King immer mehr, sich einen eigenen Stand im Genre zu erspielen. Mit Textzeilen wie „Everybody is moving like they never heard music before” geben sie der Folkmelancholie eine in Rockgitarrenriffs verpackte Leichtigkeit.

          Auch wenn einige klassische Indierock-Platten gut gealtert sind, hat sich das Genre insgesamt relativ schlecht verjüngt. Wenn Gitarrenbands heute ihren Indierocksound auf Synthesizern und anderen modernen Klängen aufbauen, wirkt das leider oft ziemlich prätentiös und hölzern. Den Musikern von To Kill A King gelingt das besser, in ihrem Klanggewebe schließen sich Bewährtes und Modernes nicht ausschließen, wie etwa der Song „Love is not Control“ beweist.

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