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Album der Woche: Zoot Woman : Tanzbares mit Substanz

  • -Aktualisiert am

Bild: Jon Furley

Im neunzehnten Jahr ihres Bestehens veröffentlichen die britischen Electroclash-Pioniere Zoot Woman ihr erst viertes Studioalbum. „Star Climbing“ mischt der Discokultur der achtziger und neunziger Jahre einige Düsternis bei.

          Das Albumcover kann man wohl guten Gewissens als Pink-Floyd-Hommage verstehen, auch wenn es musikalisch so weit dann doch nicht zurückgeht. Zoot Woman bedienen sich seit jeher bei den Clubsounds einer Zeit, die ebenso viele popkulturelle Sternstunden wie Totalausfälle zu bieten, eines aber der wirklich populären Musik von heute voraus hat: Originalität. In Kombination mit der unschätzbaren Erfahrung eines Produzenten wie Stuart Price (unter anderem für Madonna und die Pet Shop Boys tätig) hat diese Originalität dem Trio in kürzester Zeit eine Ausnahmestellung in der Szene eingebracht.

          „Star Climbing“ bietet Musik zum Tanzen und zum nachdenklichen Autofahren gleichermaßen. Ersteres nicht zu ausgelassen, nicht bis zur Eskalation, eher irgendwie schwebend. Letzteres am besten unter den Laternen der nächtlichen Vorstadt. Dafür sorgen der hohe, melancholische Indie Pop-Gesang, verschwimmende Klangelemente und ein oft gemäßigt rollender Bass. „Silhouette“,  „Nothing In The World“ und „Lifeline“ erinnern an den Soundtrack, mit dem der französische DJ Kavinsky 2011 Nicolas Winding Refns Meisterwerk „Drive“ veredelte. Stylisch und cool, für Tanzmusik aber auch recht düster.

          Unheimlich ruhig und schwermütig wirken auch das Instrumental „Elusive“ und „Waterfall Into The Fire“, inklusive Daft Punk-Roboterstimme. Die Anfangszeit von Zoot Woman als reines Instrumentalprojekt scheint hier durch. Dennoch oder gerade deshalb aber gehören beide Songs auch mit zu den besten auf „Star Climbing“. Atmosphärisch wird hier Großes geleistet.

          Auch die poppigeren, leichteren Stücke wie „The Stars are Bright“ überzeugen mit Tiefe, Substanz und eingängigen Strukturen. Ausnahmsweise liegt Itunes mit seiner Kategorisierung als Indiependent Rock gar nicht mal so falsch. Die Gitarren klingen zwar nicht wie solche, die verwendeten Rhythmen und Songaufbauten aber ähneln oft denen der Rockmusik. Ein Song wie „Chemistry“ bewegt sich beispielsweise bis zum Refrain in einem klaustrophobischen Klangkorsett, so dass die Zeile „What we have is chemistry“, unterlegt von einsetzenden Synth-Chören, umso erlösender wirkt.

          Wenn man einen einzelnen herausragenden Song benennen sollte, dann wäre es „Rock & Roll Symphony“. Das Grundmotiv klingt so trashig-emotional, man wünscht sich in diesen Achtziger-Club, in dem Menschen mit bescheuerten Frisuren und grellbunter Kleidung die ganze Nacht zu solcher Musik getanzt haben und jetzt im Begriff sind, Arm in Arm beim ersten Sonnenstrahl die Straßen zu entern. Zoot Woman legen nach fünf Jahren Sendepause ein düsteres und abwechslungsreiches Album vor, dass einmal mehr Retro-Reminiszenzen aus bunten Nachtclubs mit den steril-pompösen Stadionsounds einer Band wie The Killers zusammenbringt. Das Warten hat sich gelohnt. 

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