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Album der Woche: „Song Reader“ : Wie es klingt, wenn ein Herz bricht

  • -Aktualisiert am

Beck Hansen erregte vergangenes Jahr Aufsehen mit seinem „Song Reader“ - einem Album, das nur in Notenform erschien. Nun wurde es von prominenten Musikerkollegen von Jarvis Cocker bis zu Norah Jones eingespielt.

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          Wenn man so verschiedene Sänger und Künstler wie Jack White und Jack Black, Norah Jones und Jarvis Cocker, Loudon Wainwright III und den Wilco-Frontmann Jeff Tweedy auf einem Album vereinen kann, hat das schon allein etwas für sich.

          Jan Wiele
          Redakteur im Feuilleton.

          Sie alle geben sich nun die Ehre, den vor etwas mehr als einem Jahr erschienenen „Song Reader“ des musikalischen Tausendsassas Beck zu vertonen, den dieser nur in bibliophiler Notenform vorgelegt hatte: eine Erinnerung an die große Zeit der „Sheet Music“, in der Songs noch nicht übers Radio, sondern durch das eigene Nachspielen als Hausmusik populär wurden.

          Nashville-Country und Horrorshow

          Die zwanzig Songversionen, die nun von Becks prominenten Musikerkollegen und einigen noch nicht ganz so bekannten Künstlern eingespielt wurden, sind so gelungen wie auch teilweise wenig überraschend: Norah Jones klingt eben wie Norah Jones, wenn sie in „Just Noise“ vom Geräusch ihres brechenden Herzens singt, Jack White macht aus „I'm Down“ ein Nashville-Countrystück mit allen dazugehörigen Klangelementen, der immer etwas überkandidelte Schauspieler Jack Black gibt der Polka „We All Wear Cloaks“ einen leicht affektierten britischen Akzent und ein bisschen Horrorshow, und Jarvis Cocker macht aus „Eyes that Say I Love You“ eine Nummer, die auch gut von seiner Band Pulp stammen könnte.

          Ein musikalischer Tausendsassa: Beck
          Ein musikalischer Tausendsassa: Beck : Bild: Foto Peter Hapak

          Immerhin gibt es auch einige Überraschungen der Anverwandlung: Der kolumbianische Singer/Songwriter Juanes hat „Don't Act Like Your Heart Isn't Hard“ einfach mal auf Spanisch eingesungen, und der kalifornische Komponist Gabriel Kahane gibt dem für zwei Hände am Klavier notierten „Mutilation Rag“ ein beinahe orchestrales Gewand mit Streichern und gedämpften Trompeten.

          Nur eine Lesart von vielen

          Aber wenn man noch einmal das Konzept des „Song Reader“ bedenkt, nämlich dass er ein großes kollektives Jedermann-Kunstwerk sein soll, bei dem sich Menschen aus aller Welt beteiligen, gerade auch die nicht prominenten, und wenn man sieht, wie phantastisch sich dieses Konzept auf der eigens eingerichteten Seite www.songreader.net auch tatsächlich realisiert hat mit einer überbordenden Fülle ganz verschiedener Versionen der Lieder und oft auch tollen Musikvideos - dann wird man auch schnell zu dem Schluss kommen, dass dieser nun vorgelegte „Song Reader“ bestimmt keine definitive Lesart darstellt, sondern nur eine von vielen, und dass die darauf nicht vertretenen Musiker aller Altersstufen von Texas bis Tahiti manchmal noch viel überraschendere Versionen eingespielt haben und bis heute täglich neue hochladen. Genau solche Kreativität fördert das vorliegende Album allerdings auch wieder, indem die Verkaufserlöse daraus in eine Nonprofit-Organisation zur künstlerischen Förderung von Schülern fließen.

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