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Album der Woche : Mein Baby gehört zu mir

  • -Aktualisiert am

Bild: Ryan Patterson

Wie gut, dass Natalie Prass nicht nur Sweatshirts für Hunde macht, sondern auch Lieder: Ihr Debüt ist ein Fest aus Soul und großem Orchester, das stark von einem Musikkollektiv namens „Spacebomb“ profitiert.

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          Man könnte in Natalie Prass erst einmal wieder einen Beleg dafür sehen, dass aus Nashville längst nicht nur Country kommt, sondern einfach gute Musiker und Sänger. Aber genau genommen stammt die 28 Jahre alte Singer/Songwriterin auch gar nicht aus Nashville, sondern hat dort nur, wie so viele andere, ihr Glück gesucht, fast zehn Jahre lang.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Das wäre um ein Haar schiefgegangen, denn zuletzt hatte sie dort mehr Erfolg mit einem Modelabel für Hunde-Sweatshirts und hätte die Musik dafür beinahe aufgegeben, wie sie jüngst dem „Guardian“ erzählte. Aber dann bekam sie doch noch den einen, bedeutenden Kontakt, auf den im Netzwerk Nashville alle hoffen.

          Für Natalie Prass führte dieser kurioserweise wieder zurück in ihren Heimatstaat Virginia, aber trotzdem war es die goldrichtige Verbindung: Denn im dortigen Richmond gibt es ein Studio, das man wohl bald in einem Atemzug mit großen Sound-Schmieden aus Nashville, Memphis oder Bakersfield wird nennen müssen. Die Rede ist vom „Spacebomb“-Studio des Sängers und Musikers Matthew E. White, der dort sein eigenes, vielbeachtetes Debütalbum „Big Inner“ produzierte.

          Aber „Spacebomb“ ist nicht nur ein  Studio, sondern gleich ein ganzes Musikerkollektiv mit Signatursound, eine Produktionsfirma mit eigener Hausband, wie White es selbst ausdrückt. Zu diesem wie aus der Zeit gefallenen Sound aus Bläsern, die Stax alle Ehre machen, dunkel wummernden Basslinien wie bei Serge Gainsbourg und großen orchestralen Zucker-Arrangements fügt sich die fragile, fast kindliche Stimme von Natalie Prass gleich beim Auftaktstück „My Baby Don't Understand Me“ so wunderbar, dass man nur staunen kann. Es ist eine Hosentaschen-Symphonie, die sich unvermittelt zu einem Klanggebirge auftürmt und am Ende klimaktisch steigert, wenn Prass immer wieder singt: „Our love's a long goodbye“, die Liebe als einziger, langer Abschied, während die Musik doch die ganze Zeit den alten Dirty-Dancing-Satz „Mein Baby gehört zu mir“ raunt.

          Besser als dieses Lied können die restlichen Songs kaum noch werden, aber dafür sind manche genauso gut: „Bird of Prey“ ist bei gleicher Opulenz noch mit einem treibenden Tangzgroove bestückt, der fast wie Hip-Hop federt. Bei „Christy“ irrlichtert die Gesangsstimme über dunklen Cello-Teppichen und Harfentreppchen mit einer Dramatik wie in alten Hollywoodromanzen. Auch Erinnerungen an zeitweilig vergessene Zwitscherkehlchen wie Minnie Ripperton werden hier wach. Doch direkt darauf zeigt Prass mit dem tief-souligen „Why Don't You Believe in Me“, dass sie auch ein ganz anderes erotisches Register ziehen kann.

          Das große symphonische Finale „It Is You“ wirkt dann fast etwas überdreht: eine lupenreine Weiterdichtung des Klassikers „It Had to Be You“, bis in die Phrasierungen hinein, vielleicht auch schon augenzwinkernd? Aber auch dieses Stück ist von Matthew E. White stilistisch so sicher produziert und klingt durch das ungewohnte Vögelchentimbre anstelle der alten Crooner doch wieder so neu, dass man auch hier staunt.

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