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Album der Woche : Lang lebe der Grunge

  • -Aktualisiert am

Traum in Tüll: Katie Crutchfield alias Waxahatchee Bild: Jesse Riggins

Auf ihrem vierten Album lässt Katie Crutchfield, besser bekannt als Waxahatchee, den Indie-Rock der Neunziger wieder aufleben. Was ist dagegen schon das Ende einer Beziehung?

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          Trennungen sind seit jeher ein häufig gewähltes Thema in der Pop-Lyrik. Wer sich des enormen Sogs dieser emotionalen Ausnahmesituation vergewissern will, dem genügt ein Anhören des Albums „Rumours“ von Fleetwood Mac. Bittersüßer wird’s nicht mehr.

          Hinter Überwerken wie „Rumours“ braucht sich das neue Album „Out in the Storm“ der Indie Rock-Musikerin Katie Crutchfield nicht zu verstecken. Die Endzwanzigerin aus Birmingham, Alabama verarbeitet auf dem vierten Album ihres Projekts Waxahatchee das Ende einer langjährigen Beziehung – und auch das Sichwiederfinden im Leben alleine, draußen im Sturm. Auf „Out in the Storm“ ist Crutchfield gewohnt offen und unerschrocken. „Everyone will hear me complain, everyone will pity my pain“ singt sie inbrünstig im Opener „Never Been Wrong“, der das Album nicht nur erzählerisch, sondern auch musikalisch perfekt einläutet.

          Der Song „Never Been Wrong“ funktioniert nach dem Laut-leise-Prinzip, eine Anleihe an den Alternative Rock der neunziger Jahre. Auch Songs wie die Single „Silver“ frönen der Musik dieser Zeit. „Silver“ ist stark beeinflusst vom Power-Pop von Bands wie Weezer oder der Musik von Riot-Grrl-Bands wie den Breeders – eine Strömung, die Katie Crutchfields Persönlichkeit deutlich prägte.

          Das Album wurde live im Studio eingespielt unter der Produktionsleitung von John Agnello, der schon mit Kurt Vile und Dinosaur Jr. arbeitete. Der Sound ist spürbar wärmer und einladender, die Musik klarer produziert. Es ist ein merklicher Abschied vom Lo-Fi-Sound der früheren Alben. Auch wenn Waxahatchee etwas die dahingehauchte Intimität fehlt, die den ebenfalls ausgezeichneten Vorgänger „Ivy Tripp“ aus dem Jahr 2015 noch auszeichnete, pendelt sich „Out in the Storm“ gelungen zwischen intimer Läuterung und warmer Zugänglichkeit ein. Songs wie „Silver“ mögen sicherlich einer breiteren Klientel zusagen und auch auf größeren Bühnen funktionieren, aber ruhigere Momente wie das an Alanis Morissette erinnernde „Recite Remorse“ oder die zurückhaltende „A Little More“ zeigen Waxahatchee weiterhin von ihrer stillen, verletzlichen Seite.

          „Out in the Storm“ ist für Waxahatchee ein enormer Schritt nach vorne, der wohl auch dem veränderten Band-Line-Up geschuldet ist, zu dem sich unter anderem nun auch Crutchfields Zwillingsschwester Allison, die bei den Aufnahmen das Keyboard- und Percussionspiel übernahm, zählen darf. Mit dem vierten Album dürfte man sich nun endgültig den Status der Geheimtipp-Band hinter sich lassen. Crutchfield ist eine der stärksten weiblichen Stimmen des aktuellen Indie Rock – und sie verdient gehört zu werden. „Out in the Storm“ hat die Songs, die dazu die Bühnen und Konzerthallen füllen können. Aus Trennungsschmerz kann eben Großes entstehen. Das ist kein „Rumour“, kein Gerücht. Denn hier ist der Beweis.

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