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Album der Woche : Die vierbeinige Minibar

  • -Aktualisiert am

Hörprobe: „Saint Bernard“ Bild: Magarete Malandruccolo

Wo ist der rettende Bernhardiner, wenn man ihn braucht? Bei Ron Sexsmith wohnt er im Garten seines neuen Albums „Carousel One“. Das darf man wohl unter Easy Listening einordnen.

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          Es ist vielleicht gerade nicht mehr die Zeit für Schnee-Videos, aber dieses eine muss noch sein, bevor alle nur noch an Frühlingswiesen denken.  Man könnte es als eines jener „literal videos“ bezeichnen, die den Text von Popsongs auf kuriose Weise verbildlichen, aber hier ist es keine Parodie, sondern das „official lyric video“ eines neuen Lieds von Ron Sexsmith. Es heißt „St. Bernard“.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          In einem Interview vor zwei Jahren bereits hatte der kanadische Liedermacher erzählt, dass er sich selbst gern als einen St. Bernard sähe, also als Bernhardiner Rettungshund. Das passt ganz gut zu seinen oft in allerlei Lebenskrisen trostspendenden Songs, aber in dem nun entstandenen Lied gewinnt er der Idee auch noch eine sehr selbstironische Note ab: „No other dog looks more like me, it could fill in / When I'm ill and unanble to make the show“.

          Aus dem wichtigsten Feature des Rettungshunds, nämlich dem Fässchen, das der um den Hals trägt, macht Sexsmith dann eine grandiose Zeile: Er besingt ihn als eine „four-legged minibar“.

          Die Musik dazu plätschert zu einem „La-La-La“-Refrain dahin, und bei allen auf dem restlichen neuen Album „Carousel One“ wieder hörbaren Country-Einflüssen, den immer noch einmal Richtung Moll abbiegenden Akkordfolgen und natürlich auch tiefmelancholischen Texten kann man diesmal doch sagen, dass es ein Easy-Listening-Album geworden ist, ohne darin etwas Abwertendes zu sehen. Für den Ohrwurm-Refrain hatte Sexsmith ja ohnehin schon immer ein gutes Händchen, weswegen ihn ja auch lauter prominentere Kollegen laufend loben.

          Freilich, auch hier droht  wieder jemandem der Himmel auf den Kopf zu fallen („Tumbling Sky“) oder es wird herumlamentiert („Lord knows I've seen happier days“) - aber die Vorstellung von der in jedem Notfall herangallopierenden Minibar auf vier Beinen überstrahlt locker alle Beschwernis und lässt Sexsmith, dessen Gesang ja immer etwas Lustig-Bemitleidenswertes hat, einfach mal als Optimisten dastehen: „In my imaginary backyard / I've got a St. Bernard“. Wau.

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