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Album der Woche : Der letzte vernünftige Schlagzeuger

  • -Aktualisiert am

Don Henley (68) wagt sich nur alle Jubeljahre mit einer Platte an die Öffentlichkeit. Einen anderen Rhythmus hat der Eagles-Schlagzeuger nicht nötig. Bild: Danny Clinch

Nach fünfzehn Jahren macht Don Henley wieder ein Soloalbum. Ähnlichkeiten mit den alten Eagles sind beabsichtigt. So weit also nichts Neues unter der texanischen Sonne. Muss man es trotzdem haben?

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          Merkwürdig, wie sehr das gut Verkäufliche doch auch Hass auf sich zieht. Aber fünfzig Millionen Elvis-Fans konnten am Ende genauso wenig irren wie die Abermillionen Käufer von Eagles-Platten. Man muss ja keinen Wetterfrosch befragen, um zu wissen, woher der Wind weht. Was die Eagles betrifft, so scheint er sich, nach Jahrzehnten der Häme, wenn nicht komplett gedreht, so doch etwas abgeschwächt zu haben - man muss nur, wie Bruce Springsteen einmal bemerkte, lange genug im Geschäft sein, und das waren und sind sie als kommerziellste Triebkraft des Westküstenrocks zweifellos, denn es gibt sie ja immer noch. Und nach allem, was man hört, hängt es Don Henley immer noch nicht zum Hals raus, während der vermutlich never ending Eagles tour „Hotel California“ zu singen. Warum auch? Es wurde schon Schlechteres zum Weltkulturerbe gemacht. Inzwischen scheinen die Leute wohl die Lust daran verloren zu haben, auf den Eagles herumzuhacken.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Es wurde auch Zeit. Und so ist der Moment, mal wieder etwas von sich hören zu lassen, günstig. Don Henley bringt in der nächsten Woche ein Soloalbum heraus, sein fünftes in bald vierunddreißig Jahren, sein erstes seit fünfzehn Jahren. Man sieht: Der Mann denkt in großen Zeitläuften und arbeitet mit der Ruhe eines unermesslich reichen Rinderbarons aus Texas (wo er ja auch herstammt), der nur alle Jubeljahre nachsieht, ob der Zaun noch in Ordnung ist. Als viertreichster, zweihundert Millionen Dollar schwerer Schlagzeuger der Welt - auch diese Rangliste gibt es, ganz oben steht natürlich Ringo Starr, dann kommt Phil Collins, danach David Grohl - hat er nur noch ganz wenig nötig. Musik gehört dazu, und wenn er mal arbeitet, dann kriegt man auch etwas für sein Geld. Das letzte, damals kaum gewürdigte Album „Inside Job“ (2000) wurde mit mehr als vierzig Musikern eingespielt und dauerte siebzig Minuten; ein gewaltiges Werk, das die Meisterstücke „Damn It, Rose“ und „Miss Ghost“ enthält, dazu angenehme Akustikgitarrenballaden und gerade noch verzeihliches Achtziger-Blech.

          „Cass County“ hat, nicht nur im Titel, auch wieder texanische Dimensionen, obwohl die sechzehn Lieder in Nashville aufgenommen wurden. In Nashville, ganz recht - irgendwann muss da jedes Genie mal hin, selten zu seinem Nachteil. Obwohl die Firma das Album unter „Country“ abgeheftet hat, entspricht es dieser Einordnung nur in dem Maße, in dem auch die Eagles „Country“ waren, daneben aber noch etwas anderes, Folk, harter Rock und Country-Disco, ein Genre, das sie 1975 mit der Platte „One Of These Nights“ erfunden haben. Wenn man genau hinhört, dann spürt man auch nun überall ein wenig Country heraus; aber insgesamt hat Don Henley seinen Kurs Richtung Singer/Songwriter, den er schon beim letzten Mal eingeschlagen hatte, gehalten. Und das bedeutet: kein Schielen mehr nach Radiohits, die ihm seit „Dirty Laundry“ (1982), diesem wuchtigen Schlag auf die Zwölf, ja reihenweise gelangen, „Johnny Can’t Read“, dann vor allem „Boys of Summer“, später noch das mit dem Bruce-Hornsby-Geklimper im Grunde aber schon zu anbiedernde „End of the Innocence“. Damit lag er auch nach den glorreichen Eagles-Tagen, die er wie die anderen meistens wohl zugedröhnt verbracht hat, bestens im Rennen, Glenn Frey meistens eine Koksnase voraus, diesem alten Mitstreiter, den er, als die Eagles 1979 zum Sinkflug ansetzten, schon gar nicht mehr in seiner Nähe haben konnte (und umgekehrt).

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