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Album der Woche „Beatsteaks“ : Spiel’s noch einmal, Arnim Teutoburg-Weiß

  • -Aktualisiert am

Hörprobe: „DNA“ von Beatsteaks Bild: Warner Music

Die Beatsteaks machen Fortschritte beim Boogie und legen ein erfrischend abwechslungsreiches neues Album vor.

          Ist das noch Punk-Rock? Diese hochphilosophische, oft essentielle Frage stellten sich nicht nur „Die Ärzte“ vor gut zwei Jahren auf ihrem Album „auch“. Nach „Boombox“, dem letzten Studioalbum der Beatsteaks, mussten sich auch deren Anhänger langsam damit auseinandersetzen, wohin die musikalische Reise der Gruppe um den Chefcharismatiker Arnim Teutoburg-Weiß denn nun gehen könnte. „We’re stealing it from different planets and we put it on a boombox“ - so hieß und klang es damals gleichermaßen. Um die Schwere der Lage etwas zu relativieren: Punk ist man selbstverständlich im Kopf; innerlich waren die fünf Berliner eigentlich immer anarchische Quatschköpfe.

          Drei Jahre hat es gedauert, zwei Singles haben die Wartezeit verkürzt oder, je nach Empfinden, ins scheinbar Unendliche gestreckt. Nun liegt der selbstbetitelte Nachfolger vor. Und siehe da, „DNA“ und „Gentleman of the Year“, der sommerlich-kurze Gute-Laune-Rocker und die entspannte Paul-Kalkbrenner-Verarbeitung, könnten jetzt beinahe exemplarisch für die Beatsteaks stehen.

          Reggae und Ska lassen grüßen

          Auf der einen Seite gibt es die Garagenrock-Nummer „A Real Paradise“, wenige Akkorde, ein süffisantes „Good Morning“, in knappen zwei Minuten ist alles gesagt. Oder „Be Smart And Breathe“, eine lässig angedeutete Verbeugung vor The Clash. Die poppigeren und freieren Beatsteaks klingen hingegen in Songs wie „Pass The Message“ und „Make A Wish“ an. Die Einflüsse aus Reggae und Ska, auf „Boombox“ noch allgegenwärtig, sind auch wieder da. „So long, so long, so long“, zitiert man fröhlich die Donots und Frank Turner.

          Vor dem inneren Auge holt sich Teutoburg-Weiß wieder einen weiblichen Festivalgast zum Tanzen auf die Bühne, während die rote Sonne hinter dem Bungee-Turm am Horizont versinkt. Natürlich haben die Beatsteaks sich verändert. Sie sind größer und bekannter geworden und klingen heute anders als 1995. Da sie aber eine erfrischend unbeschwerte Band sind, der man den Spaß an ihrer Musik anhört und -sieht, findet sich bis heute kein Totalausfall in ihrer Diskographie.

          Die neuen Songs klingen sogar frischer und vielfältiger als zuletzt, an den richtigen Stellen werden die richtigen Ideen eingeworfen. Da wären zum Beispiel das grandiose Sample und die „Jack and Diane“- Gedächtnisgitarre in „Creep Magnet“ oder der Horrorpunk-Einschub in „Everything Went Black“. Sogar an die Queens of the Stone Age fühlt man sich dank pumpendem Bass und Falsettgesang in „Up on the Roof“ erinnert. Auch die obligatorische obskure Nostalgiekeule ist mit „Wicked Witch“ wieder dabei. Als müssten sie uns noch irgendetwas beweisen.

          Nach kurzweiligen dreißig Minuten heißt es „Good Night“ von Arnim und dem Rest der Bande. Aber länger war das Ramones-Debüt damals ja auch nicht. Ihre wahre Macht stellen die Beatsteaks ohnehin live unter Beweis - und da selten unter eineinhalb Stunden. Bis dahin bleibt nur der Replay-Button: „Good Morning . . .“.

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