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Album der Woche: Hundreds : Schöne Schaumgeburten

  • -Aktualisiert am

Bild: Sony Music ATV / Ten Headed Beast

So hübsche und bombastische Melodien hat deutscher Elektropop seit Alphaville nicht mehr hervorgebracht: Das Hamburger Duo „Hundreds“ denkt auf seinem zweiten Album eine Nummer größer.

          Ein lyrischer Ewigkeitshauch ist nie verkehrt, wenn man große Melodien versprachlichen will: „For a million years / They dream“, säuselten einmal die Münsteraner Synthie-Popper von Alphaville. Immerhin etwas tiefer stapelt das Hamburger Duo „Hundreds“, wenn es singt: „Our Past / Our Future / Will be found in a thousand years“. Was das nun genau bedeuten soll? Schwamm drüber, es hört sich doch schon mal ziemlich großdenkerisch an, und die Musik dazu marschiert auch triumphierend stramm im Elektro-Groove, während im Hintergrund symphonisches Donnerwetter aufzieht.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Aber Hundreds, hinter denen sich das Geschwisterpaar Eva und Philipp Milner verbirgt, können auch anders und weniger bombastisch klingen, wie ihr zweites Album „Aftermath“ beweist: Es bietet ein breites Klangspektrum, das von eher minimalistischen Songs über  die klassische Klavierballade („Foam Born“) bis zu Anmutungen von Tribal-Dance („Beehive“) reicht. Aus den Kisten der Klangsoftware zaubern die Milners so manches unerwartete Instrument hervor, vom Marimbaphon bis zur Twang-Gitarre, die das Lied „Circus“ grundiert und damit das Thema von David Lynchs Serie  „Twin Peaks“ heraufbeschwört.

          Eva Milners leicht dunkles, sanftes Timbre weckt dabei schöne Erinnerungen an eine fast schon vergessene Stimme - nämlich Tanita Tikaram. In der melancholischen Gemütslage von „Twist in My Sobriety“, das ja gelegentlich noch aus dem Radio spukt, sind auch Lieder wie  das Titelstück „Aftermath“ oder „Ten Headed Beast“ zu Hause. In dieser Stimmung und von dieser Stimme würde man sich noch so manche lyrische Schaumgeburt unterjubeln lassen.

          Ab und zu schimmert zwar ein bisschen durch, dass die Sprache, in der diese Lyrik gemacht ist, Denglisch heißt - aber das hat ja auch Gruppen Alphaville oder The Notwist nicht davon abgehalten, was so wenigen deutschen Popgruppen gelingt: auch transatlantischen Erfolg zu haben. Zu gönnen wäre er dem jungen Duo allemal.


          Dass dieses Duo neben schönen Melodien aber auch durchaus ambitionierte Clubsounds und Geräuschflächen im Programm hat, kann man dann auf einem Album mit interessanten Remixes hören, das der Deluxe-Ausgabe von „Aftermath“ beigelegt ist.

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