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Jahresrückblick : Zehn Alben, die wir auch im nächsten Jahr noch hören möchten

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Am liebsten würde man die Musik von Erlend Øye verflüssigen und sich ein Schaumbad daraus einlassen. Der König der Behaglichkeit hat eine Wohlfühlstimme, die wahlweise nach Lagerfeuer am Strand oder am Kaminfeuer in der Skihütte klingt. Øye, der sich nie entscheiden konnte, ob er nun akustische oder elektronische Musik machen sollte, vereint in „Legao“ seine charakteristische Stimme mit den Klängen einer isländischen Reggea-Band. Dass der Künstler viel und mit offenen Augen reist, hört man allein an den unterschiedlichen Einflüssen, die er mitnimmt. Dieses Reisealbum darf einen auch gern über 2014 hinaus begleiten, ob nach Korea, Sizilien oder in die Badewanne. (tama) 

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7. Thom Yorke – „Tomorrow’s Modern Boxes“

Wenn Paranoia eine Geräuschkulisse hat, muss Thom Yorke sie gestaltet haben. Sein zweites Soloalbum führt den verstörenden Weg in die Tiefen der elektronischen Musik fort. Ob mit seiner Band „Radiohead“ oder als Solist – Yorke pflegt den Widerstand gegen die Plattenfirmen. Das Album bietet er für ca. 5 Euro mit einem Filesharing-Protokoll an. Der Großteil des Erlöses geht direkt an die Künstler, der Hörer zahlt keine unnötigen Kosten. Ob die Musik lange bleibt, ist ungewiss – die experimentelle Verbreitung aber ist zukunftsweisend. (psch)

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8. Caribou – „Our Love“

Die Unaufdringlichkeit der Melodien, die geerdeten Frequenzen, die Details, die sich im Hintergrund ereignen - die Leerstellen, die der Hörer automatisch mit seinen eigenen Gedanken füllt: Das sind die Zutaten für die lange Halbwertszeit von Caribous Album „Our Love“. Ob das so vom promovierten Mathematiker berechnet war, ist unklar. Ein schönes Album hat er trotzdem produziert. (tota)

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9. Future Islands – „Singles“

Die Band Future Islands gibt es bereits seit elf Jahren, aber erst in diesem Jahr gelang ihr der Durchbruch. Dafür sorgte Sänger Samuel T. Herring in David Lettermans Late Night Show, mit einer sehr charismatischen Tanzeinlage. Die entfaltet ihre Wirkung aber erst zusammen mit Herrings Gesang, der zwischen Soul und Death Metal oszilliert. Zurecht ist die Band nun erfolgreich: die verträumten, entrückt wirkenden Synthesizer, die durch eine ferne Landschaft mäandern, werden durch den treibenden Rhythmus und die manchmal grobschlächtige Stimme des Sängers wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. Schwebt man in einem Zwischenraum, dann ist diese Musik der Soundtrack dazu. (tama)

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10. Andreas Dorau – „Aus der Bibliothèque“

Dieses Album stand ganz am Anfang des Jahres 2014, wird aber auch bleiben, allein schon, weil es wohl das erste Pop-Konzeptalbum über die Leihbibliothek an sich ist. Der Hamburger Sänger Andreas Dorau fand in seiner Lieblingsfiliale am Hühnerposten Inspiration für Songs über so verschiedene Themen wie Wasserstoff, Sternzeichen und Serienmörder und machte daraus Ohrwurm-Chansons. Unglaublich, aber zu dem folgenden Refrain kann man tanzen: „Taschenbücher, Periodika, Musik und DVDs, alles ist da / Noten, Filme, Lexika, in der Leihbibliothek“. (wiel)

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