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Adam Green im Interview : Sind Sie der neue Dylan?

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Personifiziertes Fragezeichen: Adam Green Bild: Rough Trade

Adam Green ist derzeit der Lieblingssänger aller klugen jungen Menschen. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht er über Kafka, Krankheit und Kunst.

          Adam Green ist dünn und blaß, und alles an ihm scheint zu rutschen, die Hose, das Grinsen, die Augen. Er ist ein Fragezeichen, das Popstar ist, er ist die Antwort unserer Tage auf Bob Dylan, er singt so gut, daß im letzten Jahr alle seine CD „Friends of Mine“ hörten, er schreibt so gut, daß Suhrkamp ein Buch von ihm druckt. Er ist 23 Jahre alt und lebt in New York. Jetzt ist er hier, um über sein neues Album zu reden, „Gemstones“, das surreal ist und sanft, melancholisch und müde und ein wenig an Kurt Weill erinnert. Gitarrenmusik für das 21. Jahrhundert.

          Mr. Green, sollen wir Ihnen sagen, über was wir nicht mit Ihnen sprechen wollen?
          Gern.

          George Bush.
          Sie wollen mit mir nicht über George Bush reden?

          Nein. Wollen Sie?
          Nur wenn Sie wollen. Ich habe schon so viel über Bush geredet. Ich habe den anderen Kerl gewählt, die Wahlen sind vorbei. Fuck it.

          Treten Sie manchmal trotzdem in Bush-Country auf?
          Die Leute, die für George Bush gestimmt haben, würden sowieso nicht zu meinen Konzerten kommen.

          Warum nicht?
          Ich bin nicht besonders attraktiv für Rechtsradikale, wissen Sie.

          Was ist linksradikal an Ihren Songs?
          Ich weiß nicht. Die Leute haben bei mir einfach das Gefühl, daß ich ein Linker bin. Fragen Sie die Leute.

          Liegt das vielleicht an Ihren Haaren?
          Was?

          Was ist eigentlich los mit Ihren Haaren? Die sehen so - verschnitten aus. Haben Sie die selbst geschnitten?
          Ich stelle mich ab und zu vor den Spiegel und schneide los. Sieht man das?

          Hm.
          Ich habe sie erst neulich wieder geschnitten. Ich mag kurze Haare lieber, zur Zeit jedenfalls. Lange Haare sind so verdammt selbstgefällig.

          Wollen wir jetzt wirklich über Haare reden?
          Ich rede mit Ihnen über alles, was Sie wollen.

          Gut. Was ist also linksradikal an Ihren Songtexten?
          Meine Texte sind nicht linksradikal, aber die Art, wie ich bin, schreckt die Leute ab, die rechts sind.

          Das ist alles?
          Ja, das ist alles. Oder sagen Sie mir doch die Antwort.

          Ihre Texte sind links, weil Sie über Dinge sprechen, über die normale Menschen lieber schweigen. Normale Menschen leben normale Leben und normale Lügen und wollen ihre Sorgen nicht spüren, wollen ihre Liebe nicht spüren. Sie dagegen sind sehr romantisch - und ein Romantiker ist eben nur sehr selten rechtsradikal.
          Okay.

          Wollten Sie immer ein Sänger sein?
          Als ich klein war, wollten meine Eltern das Leben von mir fernhalten, so eine Angst hatten sie um mich. Mein Vater hat Baseball im College gespielt - und ich durfte nur rausgehen, wenn ich Baseball trainierte. Bis zur High School wurde ich zu Hause unterrichtet, von meinem älteren Bruder. Er war auch sehr musikalisch, er brachte mir viele verschiedene Instrumente bei, Streichinstrumente, Horn, Klavier. Mit zwölf hielt ich dann das erste Mal eine Gitarre in der Hand. Und plötzlich konnte ich meine eigene Musik erfinden und mußte nicht mehr die von anderen Leuten spielen. Ich dachte, wow, das ist es, was Musik bedeutet. Das denke ich bis heute.

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